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Qualitätsplattform Lernen

Neue Testierung für Bildungsanbieter und -produkte

Mit der „Qualitätsplattform Lernen“ hat das Deutsche Netzwerk der E-Learning- Akteure (D-ELAN) ein neues Zertifizierungsverfahren auf den Markt gebracht, mit dem Bildungsanbieter sowohl die Qualität ihrer Produkte als auch ihrer Dienstleistungen und Organisation beurteilen lassen können. Zweck ist zum einen die Qualitätssteigerung, zum anderen der Marketingeffekt. Das Siegel „Qualitätsplattform Lernen“ wird über die Deutsche E-Learning-Zertifizierungsgesellschaft DELZert angeboten. Diese Ausgründung von Mitgliedern des D-ELAN hat sich das Ziel gesetzt, die Zertifizierung analog zur ISO 9001 als anerkannten Qualitätsmaßstab für die Bildungsbranche zu etablieren. Aus Sicht der Erfinder nämlich ist die ISO 9001 für die Bildungsbranche zu unspezifisch. „Zudem gab es bislang kein umfassendes Zertifizierungsangebot, das explizit auch E-Learning-Angebote einschließt“, erklärt DELZert-Mitgründer und D-ELAN Vorstandsmitglied Christian M. Stracke. Ein weiterer wichtiger Grund für das neue Siegel seien, so Stracke, die vielen Zertifizierungspflichten und die große Anzahl von Zertifikaten für Bildungsanbieter. Dieses Argument allerdings verwundert auf den ersten Blick etwas. Wie soll ein weiteres Zertifizierungsangebot helfen, einen „Dschungel von Zertifizierungsangeboten“ zu lichten?

Des Rätsels Lösung: Die neue „Qualitätsplattform“ integriert eine Anzahl bestehender Qualitätstestierungsverfahren in teilweise angepasster, überarbeiteter Form. „Sie berücksichtigt das Beste aus allen bestehenden Standards“, drückt Stracke es aus. Integriert worden sind u.a.: der Leitfaden zur Begutachtung von Fernlehrgängen der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZfU) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), das Qualitätssiegel E-Learning QSeL der Projekt Ruhr GmbH, das LQW von Artset, das EFQM-Modell und das Qualitätssiegel der British Learning Association. Zusätzlich berücksichtigt wurden die Kriterien, nach denen das WebKolleg und der Gütesiegelverbund NRW Bildungsprodukte bewerten und die Kriterien, nach denen die TU Darmstadt bzw. das E-Learning-Center der TU Darmstadt das Gütesiegel für computergestützte Lernarrangements vergeben. Im Rahmen eines Zerti-fizierungsvorhabens werden die individuellen Voraussetzungen analysiert, so dass nur die jeweils relevanten Prüfkriterien aus den einzelnen integrierten Standards je nach Bedarf zum Einsatz kommen. Besitzt also ein Unternehmen schon ein spezielles Zertifikat, etwa eine ZfU-Zulassung, so wird dies anerkannt, um Doppelaufwand zu vermeiden.

Die Zertifizierung fußt auf Qualitätsnormen

Das Besondere an der Zertifizierung ist indes nicht nur ihr integrativer Charakter, sondern auch, dass sie an nationalen Spezifikationen und internationalen Qualitätsnormen (PAS 1032-1, ISO/IEC 19796-1 und PAS 1068) ausgerichtet ist. Auch erfüllt sie laut Stracke die Anforderungen der AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung) weitgehend. Das Zertifizierungsverfahren ist mehrstufig und gliedert sich in mehrere Phasen der Selbst- und Fremdbeurteilung. Zur Beurteilung von Bildungsorganisationen gibt es zwei Stufen: Basic und Exzellenz. Für die Zertifizierung auf dem Level „Basic“ werden vor allem die Prozesse in einer Organisation, ihre Lernerorientierung und ihre Ergebnisse einer Überprüfung unterzogen. Für das höhere Level „Exzellenz“ werden auch Faktoren wie Politik und Strategie, Management, Außenwirkung und Innovation des Unternehmens begutachtet. Die Qualität einzelner Bildungsangebote (etwa WBTs oder Blended-Learning-Programme) wird anhand von Kriterien wie Zielgruppen und Lernziele, Inhalt, Didaktik, Medien, Technik und Evaluation überprüft.

Wie Stracke betont, steht die „Qualitätsplattform Lernen“ jedem offen, der sie zum eigenen Geschäftsmodell machen will. Denn, so weiß der E-Learning- und Normierungsexperte: „Wir wollen für die Branche einen Konsens erzielen, ein Instrument für alle Zertifizierungspflichten erschaffen. Dies wird uns nur in Kooperation gelingen, und nicht mit einem Instrument, das wir durchdrücken wollen und auf das wir allein den Daumen halten.“ Ob der erhoffte Konsens allerdings bei aller Offenheit zustande kommt, dürfte dennoch fraglich sein ...
Autor(en): (jum)
Quelle: managerSeminare 122, Mai 2008
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