Management

Personalentwicklung in Russland

Entdeckungen im Osten

Die Öffnung des Ostens nach dem Westen und die wachsende Internationalisierung von Unternehmen erfordern Maßnahmen, die noch vor 15 Jahren undenkbar waren: die Einführung westlicher PE-Instrumente und Trainings in Russland. Die kulturbedingten Herausforderungen dieses Unterfangens beleuchten die PE- und Russland-Expertinnen Olga Semidelichina und Dr. Claudia Harss.
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Ein westliches, global agierendes Unternehmen möchte seine Personalentwicklung ein Stück weit vereinheitlichen. An allen Standorten sollen Zielvereinbarungsgespräche mit den Mitarbeitern stattfinden – und zwar nach einheitlichen Kategorien und in einheitlicher englischer Terminologie. Unproblematisch gestaltet sich das Vorhaben an den Standorten in 'good old Europe'. Hier wird ohnehin seit Jahren auf Englisch geschrieben, gestritten und performt. An Grenzen sprachlicher und kultureller Art stößt das Unternehmen jedoch in seinen Produktionsstätten in Minsk, Tscherepowez und Moskau. Selbst da, wo sprachliche Barrieren vermindert werden (z.B. durch Übersetzungen ins Russische), bleibt der Erfolg aus. Das, was erreicht werden soll, wird nicht verstanden oder nicht gutgeheißen.

Kein Wunder, widersprechen doch Zielvereinbarungsgespräche ebenso wie etliche andere westliche PE-Instrumente und westliche Trainingsmethoden zutiefst dem russischen Denken. Aufgrund ihrer Kultur und Sozialisation legen Russen sehr viel Wert auf Geselligkeit und harmonische Beziehungen. Sie nehmen sich Zeit für soziale Kontakte und fühlen sich dem Kollegenteam verpflichtet. Daher wird es noch eine Weile dauern, bis sich in großen russischen Unternehmen Managementdevelopment mit Einstellungs- und Entwicklungs-Assessmentcentern durchsetzt, bei denen es vorrangig um das Erfüllen klar definierter Leistungskriterien und weniger um Sympathie und Beziehungen geht.

Russen halten diese Instrumente für falsch, schädlich und anmaßend: 'Wer bin ich, dass ich meinen armen Kollegen auf seine Schwächen hinweise – er kann und wird sich sowieso nicht ändern, und außerdem stört es die Harmonie', so der vorherrschende Gedanke. Im Westen dagegen hat man gelernt, Kritik zu suchen und zu geben, man ist bemüht, aus seinen Fehlern zu lernen und stellt sich auch mal querdenkend gegen den Strom. Die Kulturdimensionen des russischen Fatalismus und Kollektivismus sowie des deutschen Humanismus und Individualismus spiegeln sich in den verschiedenen Haltungen wider.

Extras:
  • Info-Kasten: Deutschland und Russland - eine kultursoziologische Gegenüberstellung des Denkens, Fühlens und Handelns.
  • Buchtipp: “Beruflich in Russland” von Tatjana Yoosefi und Alexander Thomas.
  • Erfahrungsbericht: Seminare in Russland: Aus dem Tagebuch einer Trainerin.
Autor(en): Olga Semidelichina, Dr. Claudia Harss
Quelle: managerSeminare 74, März 2004, Seite 78-85
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