Management

Outplacement

Die freundliche Freisetzung?

Hierarchien werden abgebaut, Unternehmen fusionieren, Mitarbeiter werden nicht mehr gebraucht… - Die Entlassungswelle trifft längst auch hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte. Damit der Rausschmiß für beide Seiten so reibungslos wie möglich verläuft, engagieren immer mehr Unternehmen Outplacement-Berater. Doch worin genau besteht die Arbeit der sanften Entsorger?
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Das Vorstellungsgespräch verlief nicht nach Wunsch. Der arbeitslose Top-Manager Peter Teubner* schüttelt enttäuscht den Kopf, während er der Outplacement-Beraterin von seinem ersten Kontakt mit dem potentiell neuen Arbeitgeber, einem Automobilzulieferer, erzählt. Den freien Geschäftsführerposten bekommt er nicht, da ist er sich sicher. Die Beraterin hört zu, zeigt Verständnis, fragt nach. Zusammen geht sie mit Teubner den Gesprächsverlauf durch, erörtert, was gut, was schlecht gelaufen ist.

Das Beratungsgespräch bei der Outplacement-Agentur Rundstedt & Partner in Düsseldorf ist eines von jährlich circa 2.500 Gesprächen, die in Deutschland mit gekündigten Führungskräften geführt werden. Outplacement ist eine Beratungsdienstleistung, die den Entlassenen zu einem neuen Job bei einem anderen Arbeitgeber verhelfen soll. Bezahlt wird sie in 95 Prozent der Fälle von den Unternehmen, die den Mitarbeiter vor die Tür gesetzt haben. So auch bei Peter Teubner: Zwischen 20 und 23 Prozent seines letzten Bruttojahresgehalts kostet sie seinen alten Arbeitgeber.

Dies bezahlt das Unternehmen natürlich nicht aus reiner Menschenliebe. Trotz der hohen Kosten rechnet sich Outplacement. 'Rechtsstreitigkeiten vor Gericht können vermieden und Personalkosten verringert werden,' erklärt Hein Köhler, Geschäftsführer der Outplacementberatung SKP Dr. Stoebe, Kern & Partner in Ahrensburg, die Vorteile für die Unternehmen. Darüber hinaus könne die Firma zeigen, daß sie ihre Unternehmenskultur nicht nur propagiert, sondern auch lebt. Denn Unruhe in der bleibenden Belegschaft kommt das Unternehmen ebenfalls teuer zu stehen. Schließlich sind die Gefeuerten keineswegs unqualifiziert, unter Umständen altgedient und in der Belegschaft anerkannt.

Idealerweise ist die Outplacementberatung schon vor der Kündigung des Mitarbeiters mit im Boot. Auf Wunsch berät sie zum Beispiel Führungskräfte, die die Entlassung aussprechen müssen. Spätestens jedoch, wenn der Personalleiter mit dem Ausgemusterten Die Eckpfeiler der Trennung diskutiert hat, tritt der Outplacement-Berater in Erscheinung.
'Für die Führungskraft lautet die Frage dann leider Fisch oder Angel', bringt Herbert Mühlenhoff von der Beratung Mühlenhoff + Partner GmbH in Düsseldorf die Entscheidung der Betroffenen auf den Punkt. Weiß der Vorsitzende der Fachgruppe Outplacement im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater doch, daß die Betreuung in vielen Fällen zu Lasten der Abfindungssumme geht.

Teubner entschied sich für Angel: Schließlich sprechen die Erfolgsquoten der Outplacement-Agenturen für sich: 97 Prozent der Kandidaten finden wieder einen Job, die durchschnittliche Beratungszeit liegt bei einem halben Jahr, nur etwa 30 Prozent der Manager müssen bei ihrem neuen Job Gehaltseinbußen hinnehmen.

* Name von der Redaktion geändert.
Autor(en): Nicole Bußmann
Quelle: managerSeminare 37, Juli 1999, Seite 62-71
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