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„Das haben wir schon immer so gemacht...“

Neue Wirtschaftsmodelle

Die Marktwirtschaft steht auf dem Prüfstand. Massenarbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und wachsende ökologische Probleme erfordern ein neues Denken, das sich nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nicht mehr auf den bequemen Standpunkt zurückziehen kann, die bessere Alternative zur Planwirtschaft darzustellen. Die zentralen Herausforderungen sind, ein Wirtschaftssystem zu entwickeln, das wieder dem Menschen dient – und nicht umgekehrt – und das die Qualität wirtschaftlicher Wachstumsprozesse anstelle bloßer Quantität fördert.

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„Manchmal müsse man sich halt einen Finger abschneiden, um den Arm retten zu können” zitiert Werner Vontobel, Redakteur des Züricher Tages-Anzeigers, in einem lesenswerten Essay* das Selbstverständnis eines Nestlé-Managers. Beileibe kein Einzelfall, denn „im vergangenen Sommer wurden an vielen Armen sehr viele Finger abgeschnitten”. Hinter der üblichen Floskel, „10% Prozent Arbeitsplätze abzubauen, um 90% zu retten” verberge sich eine erstaunliche Verdrängung der Wirklichkeit. Schließlich existieren Unternehmen nicht außerhalb der volkswirtschaftlichen Entwicklung, sondern sind ein Teil von ihr. Beim lautstarken Klagen über „unbezahlbare Lohnnebenkosten”, wird dann auch gerne übersehen, daß an dieser Kostenspirale die Unternehmen zur Zeit kräftig mitdrehen: durch Massenentlassungen inzwischen auch qualifizierter und damit hochbezahlter Arbeitnehmer in das soziale Netz. Wer die teuren Produkte „Made in Germany” noch kaufen soll, wenn Reallöhne sinken oder in Arbeitslosengeld übergehen, bleibt ein offenes Geheimnis. Vor diesem Hintergrund ist auch der derzeitige Tritt auf die Kostenbremse nicht ohne Ironie: Schließlich bildete die Wachstumsspirale aus steigender Produktion, steigenden Löhnen, steigenden Kosten und steigenden Preisen den Rahmen, in dem sich in den letzten drei Jahrzehnten wirtschaftliche Prosperität und zunehmender Wohlstand entwickeln konnten. Nun soll die Umkehr dieser Spirale zu den gleichen Ergebnissen führen.

Die Gründe wie die Konsequenzen mangelnder Orientierung der Unternehmen am volkswirtschaftlichen Gemeinwohl liegen für Vontobel auf der Hand: „Als erfolgreicher Manager gilt der, dessen Unternehmen die höchste Eigenkapitalrendite (…) ausweist. Mit der Eigenkapitalrendite hat der moderne Manager zwar ein klar definiertes Ziel vor Augen, dennoch erreicht die Marktwirtschaft damit die größtmögliche Orientierungs- und Beziehungslosigkeit”. Und weiter: „Die Manager-Unternehmer von heute sehen sich nicht mehr als Treuhänder eines schwer definierbaren Allgemeinwohls, sondern als Diener eines anonymen Marktgeschehens”…

Autor(en): Jürgen Graf
Quelle: managerSeminare 15, April 1994, Seite 70 - 75 , 19322 Zeichen

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