Führung

Musterbruch
Musterbruch

Substanzielle Erfahrungen

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Man könnte von alten Hüten sprechen, wenn etwa von Hospitationen und Job Rotation die Rede ist. Keine Frage, die Konzepte sind bekannt und gehören zum klassischen HR-Repertoire. Dennoch lohnt sich ein erneuter präziser Blick, vor allem, wenn man die Bedeutung neuer Erfahrungen als einzige Chance für eine Haltungsänderung erkennt. Stefan Kaduk und Dirk Osmetz sondieren Neues in bekanntem Terrain.

Preview

Unbeirrbare Haltungen: Irritation durch Erfahrungen willkommen

Am Ende leiden andere: Folgen des eigenen Handelns spüren

Jenseits der Effizienz: Der Wert zweckfreier Erfahrungen

Freestyle-Erfahrungen: Raus in die Welt

Wir haben es am schwersten: Gruppenidentität irritieren

Führung unplugged: Gekonnte Ahnungslosigkeit


Cover managerSeminare 287 vom 21.01.2022Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 287

Erinnern Sie sich für einen Moment an Ihre Schulzeit zurück. Sicherlich gab es einige Tage, an denen neben der Klassenlehrerin noch ein oder zwei weitere Pädagogen im Klassenzimmer saßen, meistens auffällig unauffällig in der letzten Reihe. Diese Gäste seien zur Hospitation da, hieß es dann, sofern es sich nicht um eine Lehrevaluation durch das Schulamt handelte. In der Pädagogik hat das Konzept der Hospitation, also das Beobachten und Lernen von Kolleginnen und Kollegen innerhalb derselben Profession, eine lange und bewährte Tradition. Und auch in Unternehmen hat diese Idee im Kontext der Personal- und Führungskräfteentwicklung ihre Anhänger. Häufig wird dabei der Rahmen einer Hospitation im engeren Sinne verlassen. Es geht vielmehr um Konzepte, die das Verstehen und Nachvollziehen eines anderen Kontextes sowie einen Perspektivwechsel fördern oder geradezu provozieren. Die Ziele können vielfältig sein: inhaltliches Lernen, Erweiterung der fachlichen oder Führungskompetenzen, Reflexion des beobachteten Handelns im Abgleich mit dem eigenen Tun, Feedback an die beobachtete oder begleitete Person usw. Wenn man von den jeweiligen Formaten abstrahiert, geht es stets um eines: um das Sammeln von neuen substanziellen Erfahrungen. Diese düften als der wichtigste Baustein in der Veränderungsarbeit gelten.

Was aber passiert in der Unternehmenspraxis? Häufig wird an Mitarbeitende appelliert, sie mögen ihr Handeln verändern. Die typischen Imperative lauten „Seid mutig und innovativ“ oder „Ihr müsst die Komfortzone verlassen“. Üblicherweise bleiben diese Forderungen folgenlos. Menschen verändern ihr Handeln in den allerwenigsten Fällen aufgrund eines Appells, der an sie gerichtet wurde. Aus neurobiologischer Sicht darf das nicht verwundern. Denn die hartnäckigste Gegenspielerin eines Veränderungsappells ist die Haltung, die Menschen zu verschiedenen Dingen ausgebildet haben.

Menschen verändern ihr Handeln in den allerwenigsten Fällen aufgrund eines Appells. Denn die hartnäckigste Gegenspielerin eines Veränderungsappells ist die Haltung, die Menschen ausgebildet haben.

Unbeirrbare Haltungen: Irritation durch Erfahrungen willkommen

Wer als Consultant in einer Firma engagiert wird, in der die Belegschaft beratererprobt ist und jahrelang mit externer Begleitung gearbeitet hat, kann leichtes Spiel haben oder mit einer Hypothek starten – je nachdem, welche dominierende Haltung zum Konzept der Beratung vorherrscht. Immer wieder treffen auch wir auf höchst aufgeschlossene Menschen, die interessiert an Interviewprozessen teilnehmen, aber auch auf solche, die bereits beim ersten Kontakt unmissverständlich ankündigen, jedes Gespräch mit inhaltsleeren Floskeln zu bestreiten; sie würden schlicht keiner externen Person über den Weg trauen.

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