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Zeit ist Geld

Moralisches Missverständnis

Ulf D. Posé ist Ehrenpräsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V. Für managerSeminare wirft er in seiner Kolumne 'Der ethische Kompass' regelmäßig einen kritischen Blick auf unser tägliches Handeln in Wirtschaft und Beruf, hinterfragt die Normen, die uns dabei leiten, und stellt allgemein akzeptierte Wertvorstellungen auf den Prüfstand.

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Speed-Coaching, Kurzworkshops, Power-Seminare – alles muss schnell gehen. Und alles muss sofort klappen. Die Personalentwicklung scheint nur noch ein Prinzip zu kennen: Zeit, und zwar möglichst wenig davon. Warum aufwändige und langfristige Weiterbildungen, wenn es günstigere Instant-Angebote gibt? Dabei wird vergessen, dass Menschen nicht unbegrenzt belastbar sind. Wer in vier Stunden zum Beispiel eine Präsentationstechnik wie den Elevator Pitch (es muss ja schnell gehen) lernen und üben soll, bekommt entweder nur eine bis zur Unkenntlichkeit abgespeckte Version geliefert; oder er wird vom Lernstoff so erschlagen, dass er am Ende vielleicht schon gar nicht mehr zuhört, weil die Aufnahmekapazität erschöpft ist.

Es scheint jedoch eine Mentalität in der Arbeitswelt geworden zu sein, Menschen eine unbegrenzte Belastbarkeit zuzumuten. Führungskräfte sollten, so heißt es spätestens seit der Einführung des Lean-Managements vor rund zwei Jahrzehnten, immer mehr Menschen direkt führen, so dass man Hierarchieebenen wegstreichen kann – obwohl sich schon recht schnell zeigte, dass das so nicht funktioniert. Denn eine zu große Führungsspanne sorgt dafür, dass ein Chef seine Leute nicht mehr führt, weil er keine Zeit mehr für den einzelnen Mitarbeiter hat. Und auch die Mitarbeiter bekommen immer mehr auf die Schultern gepackt. Ob das sinnvoll oder auf Dauer zu ertragen ist – dafür fühlt sich niemand verantwortlich.

Wir sollten wieder über die Grenzen nachdenken, die Führung ziehen muss, damit die Arbeitskraft des Mitarbeiters langfristig erhalten bleibt. Das bedeutet auch, die notwendige Zeit in die Entwicklung von Mitarbeitern zu stecken, statt in kürzester Zeit möglichst viel vermitteln zu wollen – und sich dann zu wundern, wenn schon wenige Wochen nach einem Seminar nichts mehr hängen geblieben ist.

Autor(en): Ulf D. Posé
Quelle: managerSeminare 191, Februar 2014, Seite 27 - 27 , 3758 Zeichen

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