Lernen

Moderation

Teilnehmer an die Pinnwand!

Die Vorzüge der Arbeit mit der Pinnwand bei Seminaren sind bekannt: Aussagen können festgehalten, geordnet und gewichtet werden. Jeder Teilnehmer hat somit die Möglichkeit, sich in die Gruppenarbeit einzubringen. Trotzdem ist die Moderationstechnik weniger teilnehmerorientiert als vielfach gedacht, meint Prof. Bernd Weidenmann. Der Trainer rät zu alternativen Methoden.
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Die Moderationsmethode mit Karten und Pinnwand sorgt dafür, dass Gedanken nicht verloren gehen – die Arbeit wird effektiver, denn die Teilnehmer werden zu Beteiligten. Insgesamt lädt die Beweglichkeit des Mediums – Karten lassen sich leicht umhängen, neu gruppieren, ergänzen – zum Weiterdenken und zur Kreativität ein.

Die Moderationsmethode gehört heute als professionelles Instrument zum Trainingsalltag. Professionalität ist gut, wenn sie Qualität verbessert. Fragwürdig ist sie jedoch, wenn sie Regulierungen und Normen einführt, die Weiterentwicklungen verhindern. Bei der Moderationsmethode gibt es reichlich Regulierungen, von den Materialien über die Schrift bis zu den Prozeduren. Was fehlt, ist die Spontaneität. Der Moderator zelebriert ein Ritual, dessen Choreographie im Detail nur er kennt. Und diese Choreographie ist weniger teilnehmerorientiert als es auf den ersten Blick scheint, denn die Teilnehmer werden sanft und unauffällig domestiziert.

Wie wenig Freiraum die Teilnehmer letztlich haben, wird deutlich, wenn der althergebrachten Moderationsmethode Alternativen gegenüberstellt werden – die einem klassischen Moderator allerdings kaum gefallen werden: Wo sonst die Teilnehmer brav auf ihren Stühlen sitzen, drängeln sie jetzt zur Pinnwand oder verteilen sich im Raum. Wo sonst der Moderator die Karten auf Zuruf aus der Gruppe selber anpinnt, nadeln jetzt mehrere Teilnehmer gleichzeitig. Wo sonst eine Karte erst angepinnt wird, nachdem der Moderator die Einigung der Teilnehmer abgewartet oder hergestellt hat, wird jetzt auch mal von dem einen oder anderen Teilnehmer eigenmächtig gehandelt. Wo sonst Unstimmigkeit per Regeln ausgeschaltet wird, soll jetzt die Gruppe allein mit der Situation zurechtkommen. Dennoch ist diese Deregulierung durchweg positiv, denn die Gruppe ist stärker engagiert.

Beim klassischen Ritual der Kartenabfrage entscheidet zwar die Gruppe, aber außer dem Beschriften der Karten und Kleben der Punkte ist es der Moderator, der alle Aktionen eigenhändig in seinem Revier vor der Pinnwand ausführt. Bei den alternativen Vorgehensweisen agieren statt dessen die Teilnehmer. Der Moderator koordiniert weder die Lösungsfindung noch das Entscheiden über das weitere Vorgehen. Er benennt lediglich die Richtung oder greift ein, wenn die Arbeit nicht voran geht. Dann macht er als Organisationsprofi einen Vorschlag zum weiteren Verfahren. Erfahrungsgemäß nehmen die Teilnehmer das Mehr an Verantwortung gerne an und geben sich Mühe, einen gemeinsamen Weg zu finden, denn ihnen gebührt letztlich der Lorbeer – und nicht dem alles lenkenden Moderator.

Extras:
  • Info-Kasten: Faden-Tricks. Alternativen zum klassischen Arbeiten an der Pinnwand.
  • Info-Kasten: Vernissage. Eine Alternative zur stereotypen Kartenabfrage.
  • Buchtipp: Rezension des Buches '100 Tipps & Tricks für Pinnwand und Flipchart' von Bernd Weidenmann.
Autor(en): Bernd Weidenmann
Quelle: managerSeminare 49, Juli 2001, Seite 63-68
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