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Marktstudie: Lernplattformen unter der Lupe

Es war längst überfällig - jetzt aber hat sich endlich einer dran gemacht und den unübersichtlichen Markt der Distance-Learning-Plattformen untersucht. Der Wohltäter ist die James GmbH an der European Business School in Oestrich-Winkel. 21 Lernplattformen haben die studentischen Unternehmensberater bewertet. Das Ergebnis ist eine Studie mit ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Plattformen und ein Ranking.

Um es vorwegzunehmen: Angeführt wird das Ranking von der Plattform E-Learn von der E-Teach GmbH in Jever. Es handelt sich dabei um ein System, das aus sechs Browser-basierten Komponenten besteht, nämlich dem e-Author, dem e-Editor, dem e-Administrator, e-Tutor, e-Student und e-Serve. Nach Ansicht der Studenten ist das ausschließlich online verfügbare Angebot vom Log-in bis zum Log-out eine runde Sache: 'Die grafische Gestaltung ist gelungen, die Funktionen sind auch für den Laien verständlich, die Interaktion und Kommunikation im virtuellen Klassenzimmer ist vorbildlich gelöst', heißt es im Bericht. Krönung des Ganzen ist nach Ansicht der Studenten eine Wissensdatenbank, die Ungenauigkeiten bei der Eingabe der Recherchebegriffe genauso wie frei formulierte Anfragen gut beantworten kann.

Dass E-Learn das Ranking gewonnen hat, ist bei näherer Betrachtung der Studie naheliegend. Auftraggeber ist nämlich die Distance Learning Consulting GmbH in Kassel, die mit der E-Teach GmbH unter einem Dach steckt. Beide zählen zur GG-Media-Gruppe, woraus die studentischen Berater allerdings kein Geheimnis machen. E-Learn muss daher aber in gewisser Weise als Maßstab für die Analyse der Plattformen angesehen werden.

Funktionalität überprüft

Untersucht hat die Junior Agency for Marketing, Education and Services - so der vollständige Name der James GmbH - alle Lösungen hinsichtlich der Funktionalität ihrer Werkzeuge für WBT-Autoren, -Editoren, -Tutoren und Administratoren. Ebenso berücksichtigt ist die Funktionalität der Lernoberflächen, der so genannten virtuellen Klassenzimmer, und der eingebauten Wissensdatenbanken und Suchfunktionen.

Mit einem eigens entwickelten Scoring-Modell haben die Studenten die Kriterien im Vorfeld der Untersuchung nach deren Relevanz für die Marktchancen gewichtet. So konnten die getesteten Produkte für ihre Benutzeroberfläche mehr Punkte erzielen als zum Beispiel für ihr Administrationspool, weil - so die Begründung der studentischen Analysten - nunmal die Akzeptanz durch den Benutzer über den Markterfolg einer Plattform entscheidet. Auch innerhalb der einzelnen Kriterien wurde gewichtet: So waren den Studenten beispielsweise in den untersuchten virtuellen Klassenzimmern Kommunikationsmöglichkeiten zwischen dem Trainer und dem Lernenden wichtiger als die Möglichkeit zur Lernfortschrittskontrolle durch die Lernenden selbst. Und generell war den Studenten eine Plattform mit Toolcharakter lieber als eine Komplettlösung, die ohne Programmierkenntnisse kaum individuellen Bedürfnissen angepasst werden kann.

So ist die Plattform von Saba, die Saba Learning Online, auf Platz Zwei gerutscht, da bei dieser Lösung eben sowohl für das Erfassen von Inhalten als auch für das Zusammenstellen der Inhaltsmodule zu einzelnen Kursen Programmierkenntnisse in HTML und XML vorausgesetzt werden. Dennoch bietet Saba im Urteil der Studenten ein sehr umfassendes Produkt an, das sowohl zum Austausch von Informationen über Diskussionsforen und Chats benutzt werden kann als auch für Real-Time-Kurse. Tests, Zertifizierungen und Kursabschlüsse werden automatisch im Profil des Lernenden gespeichert. Und das alles geschieht mit einem standardisierten Webbrowser (Explorer oder Netscape).

Platz Drei geht an die Plattform ILF (Information and Learning Framework) von der Trilog Gruppe, München. Dabei handelt es sich um ein modular aufgebautes System mit u.a. einer Mediathek (für Seminartermine, Videos, Texte etc.), einem Modul für die Administration, Chatforum und Newsgroup, Modulen zur individuellen Lernplanung etc. Schwächen an der Lösung haben die Studenten nicht feststellen können, Stärken liegen ihrer Ansicht nach vor allem in der Abbildung des kompletten wie des individuellen Lernprozesses. So kann z.B. das Modul Skill Management die Profile der Mitarbeiter speichern.

Komplettlösung versus Plattformen mit Tools

Auch jenseits des Rankings bietet die Studie, die für 280 Mark bei der Distance Learning Consulting GmbH zu beziehen ist, viel Wissenswertes über den stark expandierenden Markt der Online-Plattformen. Dem Leser, der sich durch die einzelnen Beschreibungen gekämpft hat, bietet sich folgendes Bild: Zu unterscheiden sind Komplettlösungen, die neben der technischen Plattform auch vorgefertigte Inhalte und outgesourcte Trainerkompetenzen anbieten, von Plattformen mit Toolcharakter.

Bei den Komplettlösungen ist es in der Regeln nicht möglich, Inhalte auf einfache Art einzuarbeiten. Häufig sind fortgeschrittene Programmierkenntnisse erforderlich, was die studentischen Analysten als Kaufhemmnis für kleine und mittelständische Unternehmen mit begrenztem IT-Budget herausstellen. Andererseits sind diese Plattformen gut geeignet für Unternehmen, die den Bereich Erfassen und Zusammenstellen von Inhalten ohnehin lieber outscourcen wollen. Toolorientierte Plattformen hingegen haben genau beim unternehmensspezifischen Zuschnitt ihre Stärke. Inhalte können selbstständig geändert werden und stets schnell und einfach dem Bedarf einzelner Lerngruppen angepasst werden. In ihrer grundsätzlichen Struktur ähneln sich jedoch die meisten E-Learning-Plattformen: Das Gros basiert auf Standard-Webbrowsern, was die Einführung in einem Unternehmen sehr einfach macht.

Quelle: Wettbewerbsanalyse E-Learning Plattformen, James GmbH

Top Ten im Stenogramm:

Platz 1: E-Learn von der E-Teach GmbH in Jever
System aus sechs Browser-basierten Komponenten: e-Author (Erfassung von Inhalten, Tests etc.), e-Editor (Kombination von Kursmodulen), e-Administrator (Verwaltung, Abrechnung der abgerufenen Inhalte), e-Tutor (Bildung von Lerngruppen, Contentfreischaltung), e-Student (Lernfortschrittskontrolle, Kommunikation mit Trainer und Teilnehmer) und e-Serve (Wissensdatenbank), ausschließlich online verfügbar. Urteil: gelungene grafische Gestaltung, Funktionen auch für den Laien verständlich, vorbildlich gelöste Interaktion und Kommunikation im virtuellen Klassenzimmer, mit intelligenter Wissensdatenbank

Platz 2: Saba Learning Online von Saba, Redwood Shores, Kalifornien/USA
Komplette Lösung für das Online-Lernen (Möglichkeit, in virtuellen Lerngruppen zu arbeiten, Trainer zu treffen, an Seminaren teilzunehmen, Informationen auszutauschen, Tests zu erstellen und auszuwerten, Kursabschlüsse im Profil des Lernenden abzuspeichern etc.), läuft mit Standard-Web-Browser. Urteil: Programmierkenntnisse bei der Erstellung von Inhalten werden vorausgesetzt, was Großunternehmen wie Ford oder Procter & Gamble jedoch kein Kaufhindernis darstellt.

Platz 3: ILF (Information and Learning Framework) von der Trilog Gruppe, München
Modular aufgebautes System mit folgenden Teilbereichen: Mediathek (für Seminartermine, Videos, Texte etc.), Administration, Communication Center (Chatforum, Newsgroup), Controlling, Skill Management (zur individuellen, zielgerichteten Lernplanung), Testsystem, Interaktiver Klassenraum, virtueller, audio-/videogestützter Unterricht, Veranstaltungscenter. Urteil: durch Modulorientierung optimaler Zuschnitt auf die Bedürfnisse eines Unternehmens, individuelle Steuerung von einzelnen Teilnehmern möglich.

Platz 4: DLS Distance Learning System von ets Verlag für didaktische Medien, München
Komplette E-Learning-Anwendung mit Funktionen wie Einbindung von Inhalten, Kommunikation von Teilnehmern, Verwalten von Kursen, Ausführen von Tests. Urteil: alle notwendigen Kommunikations-, Navigations- und Organisationstools unter einem Systemdach, ansprechende Gestaltung der Funktionen, modularer Aufbau ermöglicht maßgeschneiderte Lösung (Betreuung und Preisgestaltung kann individualisiert werden), weiterführender Kundenservice durch Kooperation von ets mit Telekom.

Platz 5: SkillSpace vom Herdt Verlag, Nackenheim
Internetbasierte Lernplattform mit Administrationstool (Inhalte erfassen und verwalten) und Protokolldatenbank (Lernfortschritte ermitteln). Zusatzmaterialen wie Folienpools (vorgefertigte PowerPoint-Folien) und Übungspools (Übungsdateien, Aufgabenblätter) müssen extra gekauft werden. Urteil: leicht navigierbare Oberfläche mit Zugriff auf alle zur Verfügung gestellten Kurse, Kursinformationen (obligatorisch zu bearbeiten, Dauer, Inhalte), gut gegliedertes, überschaubares Design, Inhaltserfassung ist ohne Programmkenntnisse möglich.

Platz 6: Top class von WBT, Waltham/USA
Konstruiert für expertengeleitete Kurse, in der Hauptsache für Web Based Trainings, aber auch zur Begleitung von Präsenzunterricht, läuft mit Standard-Browser, Tools zur Kommunikation mit Trainer und Studenten, zum Erfassen von Inhalten und Erstellen von Kursen (Import von Microsoft-Office-Dokumenten möglich), zur Lernfortschrittskontrolle durch den Trainer (Check der bearbeiteten Inhalte). Urteil: Standard-Produkt lässt sich erweitern, Hilfestellung bei Implementierung durch WBT (Trainings für Administratoren und Tutoren), ausgebautes Partnerprogramm (u.a. Netg, McGraw-Hill, Tertia Edutec, Oracle University).

Platz 7: Centra 99 von Centra, Lexington/USA
Plattform für interaktives Training, Gruppenarbeit und Massenpräsentationen, besteht aus den Komponenten Symposium, Conference, Agenda Builder. Urteil: unkomplizierte Einbindung multimedialer Inhalte, einfache Bedienung durch Lernende, umfangreiche Kommunikationsmöglichkeiten, Maßschneiderung möglich.

Platz 8: M.I.T. Neue Medien von M.I.T., Friedrichshafen
HTML-basiertes, modulares System mit Lernmanager (Auswahl der Lernprogramme, Zielkatalog, Lernfortschrittskontrolle), Bibliothek, Terminplaner, Kommunikationsmodul. Urteil: Inhaltserfassung und Kurszusammenstellung ist sehr flexibel, Lernmanager verfügt über Recherchemöglichkeiten, Kommunikationsmodul bietet Kostenübersicht über ausgewählte Kurse und hat eigenes Feedback-System für Teilnehmer und Trainer, kein Zugang mit Standard-Browser, Erstellung der Inhalte nur im HTML-Format.

Platz 9: ITBServer von Time4You, Karlsruhe
In Java entwickeltes und daher plattformunabhängig einzusetzende Lösung, ausschließlich zum Online-Lernen konzipiert, mit Funktionen für Trainer und Lerner: Notizblock, Newsgroups, E-Mail, Kurs-Feedback, Lexikon, Download von Dokumenten, Konferenz, Suchen, Pinwand, Testing, Benutzerverwaltung, Seminarerstellung. Urteil: von Beratung über Planung bis Implementierung und Ausbildung der Trainer bietet Time4You komplette Lösung. Auf Wunsch Lieferung von Content, Tutor braucht Kenntnisse in HTML oder Java, um Inhalte einzugeben.

Platz 10: LearningSpace 4.0 von Lotus Development Corporation, Cambridge, Massachusetts/USA.
Umfassende, flexible E-Learning-Plattform, Zugang über Standard-Browser, erhältlich in 15 Sprachen mit Modulen für Kursdesigner, Trainer, Lernernde und Bildungsadministratoren. Kombiniert verschiedene Lehr- und Lernverfahren: selbstbestimmtes Lernen, bei dem Lernernde die vollständige Kontrolle über Geschwindigkeit haben; kooperatives Lernen, bei dem Teams asynchron und unabhängig von Ort und Zeit diskutieren bzw. vorgegebene Aufgaben bearbeiten; Realtime-Lernen im virtuellen Klassenraum mit synchroner Kommunikation zwischen Trainer und Teilnehmern. Urteil: sehr flexible Kombination von Lernmethoden, umfangreiche Kommunikationsmöglichkeiten, kein Autorensystem.
Autor(en): (nbu)
Quelle: managerSeminare 45, November 2000
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