Management

Kommunikationsfallen

Sprachmüll im Management

'Wie konnte das denn passieren? Das darf doch nicht wahr sein!' Aussprüche dieser Art heißen in der Rhetorik 'Kill the Messenger'. Und es sind nicht die einzigen rhetorischen Fehlgriffe. Was Manager im Alltag an Sprachmüll produzieren und wie sie mit falscher Wortwahl ihre Mitarbeiter und Geschäftspartner demotivieren, frustrieren und gegen sich aufbringen, hat Trainerin Dr. Cornelia Topf für managerSeminare untersucht.
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Die Teamassistentin liegt am Boden. Nach vier Tagen gnadenlosem 'Powern' für den viel zu knappen Abgabetermin hat sie einen Kreislaufkollaps. Noch während der Notarzt die Infusion legt, sagt der Teamleiter: 'Besonders stressresistent ist unsere Frau Müller ja nun leider nicht.' Was hat er sich dabei gedacht? Nichts.

Weil Manager mächtig sind, bekommen sie selten die Sabotagewirkung ihrer Kommunikation mit. Wenn der Chef Unsinn redet, sagt man es ihm nicht – man lässt es ihn spüren: mit innerer Emigration, Demotivation, Passivität, Absenz, Produktivitätsabstrichen, Dienst nach Vorschrift, taktischer Kommunikation... Der Chef beklagt sich über seine passiven und wenig unternehmerisch denkenden Mitarbeiter. Dabei hat er sie selbst dazu provoziert.

Ein rhetorisches Eigentor in der Kommunikation ist zum Beispiel die Wendung 'Wie konnte das denn passieren? Das darf nicht wahr sein!'. Man nennt sie Kill the Messenger – bestrafe den Überbringer schlechter Nachrichten. Was verbal derart bestraft wird, wird demnächst ganz unterlassen. Ein weiteres Beispiel für mangelnde Kommunikationsfähigkeit ist der Gebrauch des Wortes 'müssen' . Begleitet von der typischen Zeigefinger-Geste denkt jeder sofort: 'Müssen muss ich gar nichts.'

Warum bewirkt die Sprache der Manager in der Regel das Gegenteil von dem, was sie bewirken soll? Weil Manager Manager sind. Sie sind Experten in Betriebswirtschaft o.ä. – aber keine Experten der Sprache. Dennoch folgern sie aus ihrem Fachexpertentum, dass sie auch Sprachexperten sind.

Ganz anders ihre Mitarbeiter. Clevere Mitarbeiter wissen, auf welche Knöpfe sie drücken müssen, damit der Chef das tut, was sie von ihm erwarten: bad news vertuschen, gute Nachrichten overreporten. Wenn der Chef ein 'Detailheini' ist, müllt man ihn mit völlig belanglosen Infos zu. Clevere Mitarbeiter beobachten systematisch die Wirkung ihrer Worte auf den Chef: Was tut er, wenn ich X sage? Was, wenn ich Y sage? Sie testen, modifizieren und finden irgendwann die Erfolgsformel für jede denkbare Kommunikationsgelegenheit.

Dabei werden sie sogar von den Trainern unterstützt, die ihr Chef bezahlt – welche Ironie. Denn Trainer sind Experten in Kommunikation und werden deshalb gerne in Seminaren auf Erfolgsformeln 'angepumpt'. Es fragt sich, wann die Führungskräfte auf diesen Trichter kommen und sich das leisten, was sie ihren Mitarbeitern schon lange spendieren. Sprache ist ein Erfolgsinstrument. Wann bringen Manager ihr Instrument auf den neuesten Stand?

Extras:
  • Übersicht: Managersprüche und was Sie bedeuten.
Autor(en): Dr. Cornelia Topf
Quelle: managerSeminare 47, März 2001, Seite 16-21
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