Management

Kommunikation und Fusion

Aus zwei mach' eins

Wenn aus zwei Organisationen eine werden soll, ist die Kommunikationspolitik oftmals ausschlaggebend. Bei der 'Bus-Fusion' mit Kässbohrer fuhr Mercedes eine offene und konsequente Strategie, die sich durch hohe Professionalität und emotionales Engagement auszeichnete. Manager-Seminare dokumentiert den Fusionsverlauf.
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Die Spannung im Saal ist beklemmend. Bislang hat man Begegnungen vermieden und sich im Markt bekämpft, wie das so unter rivalisierenden Verkäufern im engen Omnibusmarkt usus ist. Nun soll man zu einer Einheit verschmelzen? Das Mißtrauen im Auditorium ist spürbar. Pantomimen symbolisieren gerade auf der Bühne, was da bislang zum Alltag der Anwesenden gehört: dem Konkurrenten ein Bein zu stellen, wo immer sich eine Gelegenheit bietet. Ein absurdes Theater? Plötzlicher Szenenwechsel: Video-Time. Filmmusik ist die „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg. Auf der Leinwand werden Begriffspaare mit unterschiedlicher Identität visualisiert, mal rot, mal blau unterlegt und mal von einer poppigen und mal von einer klassischen „Morgenstimmungs“-Version begleitet.

Und durch die blauen Filmsequenzen fahren zu moderner Musik Mercedes-Busse, und bei rot und zur Klassik bewegen sich Setra-Modelle durch´s Bild. Man ist irritiert, wird unruhig. Es folgt live „Two hearts beating as one“. Der Fusions-Song, wie er später genannt wurde. Und dann fliegen Wollknäuel ins Publikum. Pantomimen und Sänger werfen zwanzig, dreißig davon kreuz und quer in die Reihen der beiden Vertriebsmannschaften. Erst zögerlich, dann vom Spieltrieb angeheizt und zunehmend engagierter fliegen die sich schnell abwickelnden Bälle von hüben nach drüben, kreuz und quer, vernetzen die Buspeople von Mercedes und Setra.

Knapp fünf Monate später: Großdemonstration in Ulm. Eine Stadt macht mobil gegen Brüssels Kartellwächter. Bewegende Szenen spielen sich ab. Bilder, die den ganzen Tag die TV-Nachrichten dominieren. Kässbohrer-Mitarbeiter gehen auf die Straße. Bäckersfrauen, Bridgeclubs, Kinder, sie alle kämpfen für das wirtschaftliche Überleben ihrer Region – und die Übernahme der Traditionsmarke durch Mercedes. Unvorstellbar dies bei den Stahlkochern.

Das kann eine offene und engagierte Kommunikationspolitik auslösen. Und dies bei einem so sensiblen Thema wie einer Fusion. Wo verschiedenartige Kulturen aufeinandertreffen, Ängste schwelen und die Gerüchteküche gärt. Wo intern die Gefahr besteht, daß die Leistungsträger abwandern, Barrieren aufgerichtet werden, man sich gegenseitig Sand ins Getriebe streut…
Autor(en): Henry J. Heibutzki
Quelle: managerSeminare 29, Oktober 1997, Seite 106-109
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