Lernen

Imagefaktor Buch

Abzüge in der B-Note…

Managementbücher sind Gold wert für`s Geschäft. Bücher erhöhen schlagartig den Marktwert ihrer Autoren. Gerken und Peters haben ausgesorgt. Sprenger ist auf bestem Weg dorthin. Das Unternehmen Buch muß allerdings strategisch geplant werden. Da gibt es noch Lernbedarf. Und man muß die Spielregeln kennen, sonst fällt man bei den Lektoren durch. So wie es 98 Prozent aller eingereichten Manuskripte ergeht.
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Man kann sein Geschick im Training so virtuos zelebrieren wie man will und als Berater noch so kenntnisreich über neue, wettbewerbsfähige Strukturen schwadronieren. Der Applaus im Raum wird sich wie das Honorar in Grenzen halten. In Gegenwart eines klassischen Buchautors hingegen beschleicht das Auditorium noch immer klammheimliche Ehrfurcht. Autoren hofiert man, entrückt sie den Niederungen ihrer ursprünglichen Arbeit, vergißt gern, wo sie herkommen, hebt sie auf den Sockel der Unfehlbarkeit. Wenn man eine Autoren-Bekanntschaft nonchalant und mehr so am Rande in ein Gespräch einfließen läßt, kann man meist mit einem positiven Imagetransfer rechnen. So was schmückt.

Ein Buch gar mit Widmung ist das Höchste und immer ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz (Wer hingegen will schon eine signierte CD-Rom?). Allerdings hier ein Geschäft mit der Eitelkeit zu unterstellen, hieße Thema verfehlt. Aus der Sicht des Autors natürlich. Widmungen fallen unter Public Relations, da führen handfeste Geschäftsinteressen die Feder.

Das Schreiben eines Sach- oder Fachbuchs ist strategische Karriere- und Unternehmensplanung, ist das beste Ego-Marketing-Instrument für jenen, dessen Name auf dem Cover steht. Ungeachtet, ob es praktisch verwertbare Kenntnisse enthält, oder nicht. Zumindest für zwei, drei Jahre. Dann spätestens muß man wieder nachlegen. Die Konkurrenz ist gnadenlos.

Man darf da nicht blauäugig sein. Wer in den Markt der Besserwisser einrücken will, kann auf eine Marktanalyse nicht verzichten. 75.000 Neuerscheinungen werden jedes Jahr auf den deutschen Buchmarkt geworfen. Fünf bis sieben Prozent davon, weiß Jürgen Diessl, der Wirtschaftslektor von Ueberreuter, seien Wirtschafts- und Managementbücher. Grob gerechnet also 3.750 Titel. Wenn man erst mal aus den Verlagskatalogen verschwunden ist und auch aus den Regalen der Buchhandlungen, ist der Vorhang gefallen. Die Szene würde sagen - wenn sie denn überhaupt noch von einem spricht -, man habe seinerzeit nur ein Strohfeuer abgebrannt. Much adoo about nothing - viel Lärm um Nichts. Die übelste aller Nachreden in diesem Business…
Autor(en): Henry Joe Heibutzki
Quelle: managerSeminare 29, Oktober 1997, Seite 34-39
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