Hans Wüthrich in Characters
Hans Wüthrich in Characters

'Selbst denken in einer Welt voller Antworten.'

Dr. Hans A. Wüthrich ist Managementforscher und Führungskräftecoach. Der promovierte Wirtschaftswis- senschaftler hat bis 2020 als Professor für Internationales Management in München gelehrt und ist weiterhin als Berater, Coach und Mitglied diverser Gremien tätig. Darüber hinaus hat er mehrere Bücher zu Führungsthemen verfasst. Im Interview erzählt er, was er auch mal werden wollte, wen er gern beraten würde und was er als nächstes lernt.

Meine beruflichen Stationen: Nach meinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen habe ich eine Lehre bei einer renommierten Schweizer Treuhand- und Beratungsgesellschaft absolviert. Darauf folgte gemeinsam mit drei Kollegen die Gründung eines Beratungsunternehmens. Von 1993 bis 2020 habe ich als Professor für Internationales Management an der Universität der Bundeswehr in München gelehrt. Jedoch klopfte die Praxis immer wieder an – als Berater, Coach und Mitglied verschiedener Gremien.
Das wollte ich auch mal werden: Sportlehrer. Im Rückblick bin ich dankbar, dass es beim Wunsch blieb. So darf ich Sport als Hobby genießen, ohne Stundenpläne und Pausenglocken. Als Schweizer zieht es mich regelmäßig in die Berge: zu Fuß, auf Ski oder auf dem Snowboard.
Diese berufliche Herausforderung würde mich reizen: Faszination erlebe ich dort, wo die eigene Expertise an ihre Grenzen stößt – je weniger Vertrautheit, desto größer die Anziehung. Frischer Perspektivenwind weht eben selten aus der Komfortzone.
Wen ich gern beraten oder trainieren würde: Ehrlich gesagt: niemanden. Was mich reizt, sind Begegnungen und Dialoge mit Persönlichkeiten, die über die Souveränität verfügen, nicht recht haben zu müssen. Solche Gespräche bergen das Risiko, klüger zu werden.
Mein Arbeitsplatz ist: Strukturiert – zumindest auf den ersten Blick. Wer länger hinschaut, erkennt: Das Chaos liegt systematisch verborgen.
Ich verpasse niemals: Die Sendung „Sternstunde Philosophie“ im Schweizer Fernsehen.
Als Nächstes lerne ich: Den Telemark-Schwung. Denn wer beim Skifahren elegant einknickt, beweist Standfestigkeit auf höherem Niveau.
So muss eine Führungskraft sein, damit ich ihr folgen würde: Sie müsste intellektuell bescheiden sein. Wer ohne rechthaberische Allüren, ohne Sendungsbewusstsein und ohne narzisstisches Eigenleuchten führt, darf mit meiner Aufmerksamkeit rechnen. Alle anderen können gern allein weiterlaufen.
Mein Arbeitsmotto: Selbst denken in einer Welt voller Antworten.
Diese Diskussion über die Arbeitswelt regt mich auf: Immer, wenn der Leadership-Goldstandard verkündet oder die Welt in sonorer Tiefe erklärt wird – vorzugsweise von omnikompetenten Silberrücken –, schrillen bei mir die Alarmglocken. Der einzige Standard, der für mich gilt, ist: Es gibt keinen Führungsstandard. Wir müssen endlich den Mut haben, Führungsexzellenz als Abfolge von Versuch und Irrtum sowie als Ergebnis eines nie endenden experimentellen Lernprozesses zu verstehen.

Kontakt zu Hans A. Wüthrich: unibw.de/international-management

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