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Beitrag von Martin Wehrle aus managerSeminare 335, Februar 2026
Als Juliane (34), eine frisch beförderte Abteilungsleiterin in einem Technologie-Unternehmen, zu mir ins Coaching kam, wirkte sie angespannt. „Mein Team arbeitet zwar, aber die Energie lässt nach“, berichtete sie. „Ideen sind Mangelware, jeder tut nur noch das Nötigste.“ Ich bat sie, einen Moment innezuhalten und mir zu beschreiben, was sie selbst antreibt und inspiriert.
Die Methode, die ich nutzte, nenne ich „Motivationsanker“. Sie basiert auf der Vorstellung, dass jeder Mensch innere Quellen hat, die Engagement und Kreativität freisetzen. Im Coaching identifiziere ich mit meinen Klientinnen und Klienten gemeinsam diese Anker: Welche kleinen Handlungen oder Erfahrungen erzeugen Motivation?
Zuerst reflektierte Juliane ihre eigene Motivation. Wann fühlte sie sich zuletzt richtig beflügelt? Welche Faktoren haben ihr Kraft gespendet? Oft waren es scheinbar kleine Dinge: wenn sie selbstständig entscheiden durfte, ehrliche Anerkennung bekam oder die Arbeit ihres Teams in eine produktive Richtung lenkte. Diese Momente bezeichneten wir als ihre persönlichen Motivationsanker. Danach blickten wir auf ihr Team. Welche Momente könnten bei den Mitarbeitenden ähnliche Wirkung entfalten? Sie überlegte: „Vielleicht noch mehr Entscheidungsspielraum. Oder die Chance, mal ein paar kreative Lösungswege zu probieren. Oder auch, wenn ich das Team noch mehr in die strategischen Ziele des Unternehmens einbeziehe.“ Juliane entwickelte Ideen, wie sich diese Anker systematisch in ihrem Führungsalltag nutzen lassen. Nach einigen Wochen berichtete sie, dass das Team spürbar aktiver war. Vorschläge kamen wieder häufiger, Konflikte ließen sich schneller lösen. Die Motivationsanker hatten gewirkt und eine Atmosphäre geschaffen, in der die Teammitglieder mehr Verantwortung übernahmen – ohne dass sie ständig eingreifen musste.
Die Methode folgt einem klaren Ablauf, der es Führungskräften ermöglicht, sie in Eigenregie zu nutzen. Zunächst geht es darum, die eigenen Motivationsanker zu erkennen. Dann der Übertrag: Welche Elemente könnten auch für mein Team wirksam sein? Welche Faktoren fördern Motivation? Oft sind es gerade vermeintlich kleine Dinge wie ein anerkennendes Wort oder präzisere Aufgaben, manchmal braucht es mehr kreativen Freiraum oder mehr Selbstbestimmung. Und schließlich werden diese Elemente bewusst in den Arbeitsalltag integriert – bei Projekten, Einzelgesprächen oder Teambesprechungen. Ziel ist es dabei nicht, nach strengen Regeln zu handeln, sondern situativ günstige Rahmenbedingungen für mehr Engagement zu schaffen.
Motivationsanker stärken nicht nur das Engagement, sondern auch das Vertrauen und den Zusammenhalt im Team. Mitarbeitende, die ihre Anker im Arbeitsalltag erleben, spüren, dass ihre Arbeit Sinn hat – und sind auch eher bereit, Verantwortung zu übernehmen. Probieren Sie es aus: Identifizieren Sie zuerst Ihre eigenen Anker, übertragen Sie diese auf das Team und gestalten Sie so den Alltag bewusst motivierend. Das ebnet den Weg für mehr Leistung, Freude und kreative Zusammenarbeit.
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