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Führung auf Distanz

Verantwortungsbewusstsein sinkt im Virtuellen

​Die Corona-Krise, aber auch die Globalisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt sind Gründe dafür, dass Führung zunehmend im virtuellen Raum stattfindet – und das kann laut Forschern des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen negative Auswirkungen auf das Verantwortungsgefühl der Führungskräfte gegenüber ihrem Team haben. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, hat das Forscherteam mehrere Studien durchgeführt.

So nahmen gut 180 Mitarbeitende unterschiedlicher Arbeitsbereiche an einer Online-Umfrage teil. Sie sollten sich in die Position einer Führungs- bzw. Assistenzkraft hineinversetzen und sich vorstellen, mit einer Person der jeweils anderen Position gemeinsam eine Aufgabe zu bearbeiten. Bei einem Teil der Gruppe wurde angekündigt, dass diese Zusammenarbeit virtuell stattfinden würde – z.B. per Videocall–, der andere Teil vermutete eine Face-to-Face-Zusammenarbeit. Anschließend sollten die Teilnehmenden angeben, wie viel Verantwortung sie für ihr Gegenüber empfanden – ob sie das Gefühl hatten, sich um die Situation der anderen Person kümmern zu müssen und inwiefern sie glaubten, dass ihr eigenes Handeln für das Gegenüber Konsequenzen haben könnte. Das Ergebnis: Die Teilnehmenden vermeldeten ein höheres Verantwortungsbewusstsein, wenn sie eine Position als Führungskraft erhielten statt als Assistenzkraft, und persönliche statt virtuelle Zusammenarbeit erwarteten. Durch eine weitere Studie unter Studierenden konnten die Forscher diese Erkenntnis bestätigen.

'Virtuelle Zusammenarbeit könnte bewirken, dass andere Personen weiter entfernt erscheinen – und deshalb kurzfristig weniger der Eindruck entsteht, sich um diese Personen kümmern zu müssen“, erklärt Annika Scholl, stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe Soziale Prozesse am IWM. „Das muss nicht nur die räumliche Entfernung betreffen, es könnte dabei auch um die subjektive Wahrnehmung von Nähe gehen. Offen bleibt für uns die Frage, wie sich diese Effekte entwickeln, wenn Personen mehr Erfahrung mit virtueller Zusammenarbeit gesammelt haben.'

Autor(en): Nathalie Ekrot
Quelle: managerSeminare 273, Dezember 2020
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