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Beitrag von Sarah Schmid und Andreas Stammnitz aus managerSeminare 330, September 2025
Verengte Perspektive: Warum der Kern von Fluktuationsproblemen ein anderer ist, als Unternehmen vermuten
Arbeit als Zumutung: Wieso die Mitgliedschaft in einer Organisation Menschen per se Leidensfähigkeit abverlangt
Bedingt bereit: Unter welchen Voraussetzungen Organisationsmitglieder willens sind, Zumutungen, die im System liegen, zu ertragen
Ehrlich währt am längsten: Wie ein offener Umgang mit den Zumutungen des Organisationsalltags Bindekraft entfaltet
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 330
Was bringt Menschen dazu, ihre Jobs aufzugeben? „People quit bosses, not jobs“ ist ein Spruch, den alle kennen (oder selbst gerne aussprechen), die sich in Organisationen mit Kündigungen beschäftigen. Man kommt fürs Gehalt oder eine spannende Aufgabe ins Unternehmen, aber was man noch nicht einschätzen kann, sind die Menschen, mit denen man arbeiten wird. Also steckt in der Beziehung zu den anderen Menschen das größte Risiko. Logisch, oder? Dass es nicht ganz so einfach ist, zeigt ein Blick in die Daten: Ein Forschungsteam der Universitäten von Erlangen-Nürnberg und Ulm hat in einer Metaanalyse Daten aus Studien mit mehr als 800.000 Beschäftigten ausgewertet. Gekündigt wird demnach aus folgenden Gründen:
Überarbeitung, vor allem durch lange Arbeitszeiten, dadurch fehlende Work-Life-Balance, fehlende Zeit zur Regenerierung und zunehmender Stress
Fehlende Perspektiven, es gibt also keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung oder zum Aufstieg
Schlechtes Management verschiedener Form, von (häufig) mangelnder oder wenig wertschätzender Kommunikation bis hin zu (seltener) einem Übermaß an Mikro-Management
Führungskräfte sind also tatsächlich unter den Topgründen für Kündigungen. Es gibt jedoch ein großes Aber: Die Forschenden fanden auch heraus, dass es üblicherweise mehrere, ineinander verwobene Gründe sind, die zu einer Kündigung führen, gewissermaßen der bekannte „bunte Blumenstrauß“ – allerdings mit sehr unangenehmen Blumen, die man aus seinem Leben verbannen möchte. Das Ergebnis der Metastudie lautet also zusammengefasst: Ja, Menschen kündigen ihren Vorgesetzten, aber nur weil diese Teil von Verhältnissen sind, die insgesamt als kündigungswürdige Zumutung erlebt werden.
Erkannt wird das in vielen Organisationen allerdings nicht, im Gegenteil: Wenn es darum geht, die richtigen Schlüsse aus Kündigungen zu ziehen, so zeigen sich branchenweit ähnliche Muster: Der erste Reflex: Verantwortung wird zurückgewiesen. Dafür bietet die Management-Floskel-Fibel eine Reihe von Möglichkeiten. Von „Reisende soll man nicht aufhalten“ über „Man kann es nie allen recht machen“ bis hin zu „Wer die Hitze nicht erträgt, sollte nicht in der Küche stehen“ gibt es einige Weisheiten, die helfen, die Verantwortung von der Organisation weg in Richtung der Person zu schieben, die gekündigt hat, üblicherweise untermalt mit Schulterzucken und dem Zeigen leerer Handflächen. Doch spätestens, wenn klar wird, dass die Köche sehr wohl die Hitze in der Küche ertragen und dass ihnen nur diese eine Organisation zu heiß ist, muss ein Umdenken stattfinden. Dann dämmert es vielen Verantwortlichen, dass etwas getan werden muss. Das Problem: Sie verharren im Denken weiterhin auf der Ebene der Person. Da die Kündigung als persönliche Entscheidung verstanden wird, müssen sich nach dieser Logik auch Gründe zum Bleiben direkt an die Person richten. Darum fokussiert man sich bei Programmen, die die Attraktivität eines Arbeitsplatzes erhöhen sollen, häufig auf ganz ähnliche Fragen: