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Beitrag von Karin Lausch aus managerSeminare 335, Februar 2026
Toxischer Teufelskreis: Wie Erschöpfung schlechte Führung fördert
Echt entlasten: Warum authentische Führung sowohl Druck von den Führungskräften selbst als auch von ihren Mitarbeitenden nimmt
Kraftvolle Klarheit: Wie eine klare Haltung Führungskräfte von innen heraus stärkt
Mutig machen: Warum uns vor allem das erschöpft, was wir nicht machen
Förderlicher Fokus: Wie Menschenorientierung Führungskräfte entstresst und „ent-schöpft“
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 335
In meiner Rolle als Executive Coach beobachte ich seit etwa zwei Jahren eine alarmierende Entwicklung: Immer mehr Führungskräfte sind am Ende ihrer Kräfte angekommen. Sie fühlen sich frustriert, hoffnungslos, ausgeliefert. Viele zeigen Erschöpfungs- und Burnout-Symptome. Studien stützen diesen Eindruck. Einer neueren Erhebung der Unternehmensberatung Auctority zufolge haben sich 62 Prozent der hiesigen Führungskräfte in den vergangenen drei Monaten erschöpft gefühlt – in der Gesamtbevölkerung traf das dagegen „nur“ auf etwa die Hälfte der Menschen zu. Und laut aktuellem Gallup-Report ist das allgemeine Wohlbefinden unter Führungskräften im vergangenen Jahr signifikant stärker gesunken als bei Mitarbeitenden ohne Führungsverantwortung.
Was ich besonders besorgniserregend finde: Es sind vor allem die intrinsisch motivierten Führungskräfte, wie mir auch viele meiner Coachkolleginnen und -kollegen bestätigen, die nicht mehr können. Also diejenigen, die sich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden wirklich sorgen. Die, die sich Gedanken um die Zukunft der Mitglieder ihrer Teams machen. Die, denen es ein echtes Anliegen ist, Menschen in ihre Stärken zu bringen und ihre Entwicklung zu fördern. Die, denen das Gefühl von Wirksamkeit mehr gibt als jedes Statussymbol. Es sind also genau diejenigen, die wir in der Führung so dringend brauchen, denen die Kraft ausgeht.
Besonders intrinsisch motivierte Führungskräfte, denen es ein echtes Anliegen ist, Menschen in ihre Stärken zu bringen und ihre Entwicklung zu fördern, zeigen immer häufiger Erschöpfungs- und Burnout-Symptome.
Unter der grassierenden Führungskräfte-Erschöpfung leiden nicht nur diese selbst. Denn Erschöpfung triggert negative Führung, wie ein Team von Forscherinnen und Forschern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Universität Koblenz-Landau in einer groß angelegten Metastudie gezeigt hat. In den 88 Forschungsarbeiten mit insgesamt 12.000 Teilnehmenden, die sie untersucht haben, konnten sie eine klare Korrelation zwischen dem Grad der Erschöpfung von Personen in Führungsverantwortung und despotischen und autokratischen Verhaltenstendenzen bis hin zu psychischem Missbrauch nachweisen. Dass Perfide daran: Gerade Führungskräfte, denen solche Reaktionsmuster eigentlich fremd sind, entwickeln ein schlechtes Gewissen, wenn sie in diese verfallen. Dieses wiederum zerrt an ihren Nerven, erschöpft sie weiter, wodurch sie noch mehr zu negativem Führungsverhalten neigen und so weiter. Ein echter Teufelskreis, der im Worst Case selbst hoch motivierte und per se verträgliche Führungskräfte zu echten Tyranninnen und Tyrannen werden lässt.