Lernen

Erinnerungen im Coaching

Dem Chamäleon auf der Spur

Coaching-Prozesse leben von Gesprächen zwischen Coach und Klient. Zwangsläufig muss der Coach mit erinnerten Erzählungen des Klienten arbeiten. Ein verbreitetes Problem: Der Coach nimmt Erinnerungen als Wahrheit - obwohl sie als unzuverlässige Informationslieferanten entlarvt sind.
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Florian Selig, Mitglied der Geschäftsführung eines mittelständischen Produktionsbetriebs, ringt mit einer Entscheidung. Er leitet zurzeit zwei Bereiche - das Marketing und den Vertrieb. Die Doppelbelastung ist für ihn nicht länger tragbar, daher steht der Vertriebsposten zur Disposition. Nun quält sich Selig mit der Frage: Soll er die Position des Vertriebsleiters mit einem internen oder mit einem externen Kandidaten besetzen?

Als interner Kandidat käme nur Jan Paulmann in Frage, denn die übrigen Mitarbeiter sind einfach noch zu unerfahren und jung. Fiele die Entscheidung gegen eine interne Besetzung, so müsste ein passender Anwärter auf dem freien Markt gesucht werden. Die Entscheidung, an der vieles hängt, ist Gegenstand des Coaching-Prozesses, in dem Selig sich befindet.

In der aktuellen Sitzung ist Florian Selig aufgekratzt. Denn in der Zwischenzeit scheint er sich zu einer Entscheidung durchgekämpft zu haben.

Klient: 'Ich bin sicher, der Jan könnte das machen! Er hat das Potenzial, diesen Bereich zu übernehmen und Power reinzubringen. Außerdem kennt er den Laden und die Leute.'
Coach: 'Aha, also haben Sie entschieden?'
K: 'Ja. An die Mitarbeiter würden wir damit ja auch das Signal geben: Leute, es lohnt sich, sich hier zu engagieren!'

In diesem Tenor geht es weiter. Florian Selig ruft sich Erinnerungen ins Bewusstsein, die seine Entscheidung, Jan Paulmann als Bereichsleiter zu inthronisieren, bestärken. Auch rekursive, zirkuläre und provokative Fragen des Coaches erschüttern seine Sicherheit nicht, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Selig geht davon aus: Er weiß, was er zu tun hat. Dennoch empfiehlt der Coach, die Entscheidung noch nicht offiziell zu machen, sondern noch einmal alles zu überdenken.

Extras:
  • Wie Erinnerungen verzerrt werden: die sieben Sünden des Gedächtnisses nach Daniel Schacter und andere erinnerungsgestaltende Einflüsse
  • Aufgaben und Funktionsweisen von neun Gedächtnisarten im Überblick
  • Service: Sechs Kurzrezensionen von Büchern zu den Themen Wahrnehmung, Erinnerung und Gedächtnis
Autor(en): Dr. Regina Mahlmann
Quelle: managerSeminare 90, September 2005, Seite 8-15
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