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Entscheidungsfindung

Fremdsprache steigert Rationalität

Dass in international agierenden deutschen Unternehmen viel Englisch gesprochen wird, empfinden manche Mitarbeiter als lästig, andere betrachten es als notwendiges Übel. Rein ökonomisch betrachtet hat der Gebrauch der Fremdsprache allerdings einen versteckten Vorteil: Wer in einer solchen Entscheidungen trifft, lässt sich stärker von seiner Vernunft leiten als der, der eine Entscheidung in seiner Muttersprache formuliert. Diesen Schluss lässt jedenfalls ein groß angelegtes Experiment zu, das Psychologen der Universität Chicago zusammen mit Kollegen der Universität Pompeu Fabra in Barcelona durchgeführt haben. Die Forscher stellten ihre 725 Versuchsteilnehmer vor das sogenannte Trolley-Problem, ein Gedankenexperiment, bei dem es sich in folgende Situation hineinzuversetzen gilt: Man steht auf einer Brücke über einem Zuggleis und beobachtet, wie ein Zug auf fünf Personen zurast, die auf dem Gleis stehen. Die einzige Möglichkeit, diese zu retten, besteht darin, eine Person von der Brücke vor den Zug zu stoßen. Der einen Hälfte der Versuchsteilnehmer präsentierten die Forscher das Dilemma in ihrer Muttersprache, der anderen in einer Fremdsprache, die sie gut beherrschen. In der Muttersprachler-Gruppe entschied sich jeder Fünfte dafür, die fünf Personen durch die Tötung der einen zu retten. In der Fremdsprachler-Gruppe dagegen fast jeder Dritte. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Befunden, denen zufolge Menschen weniger emotional handeln, wenn sie eine Fremdsprache nutzen und auch eher dazu bereit sind, ökonomische Risiken einzugehen, wenn diese ihnen in einer anderen Sprache präsentiert werden. 'Die Fremdsprache erzeugt eine gewisse emotionale Distanz', schreibt Versuchsleiter Albert Costa im Studienbericht. Das hänge wahrscheinlich damit zusammen, wie Sprache gelernt wird. Während wir uns die Muttersprache im vertrauten Umfeld der Familie aneignen, so Costa, erfolgt der Erwerb der Fremdsprache in der Regel in einem weniger emotionalem Setting wie einem Klassenraum.
Autor(en): (ama)
Quelle: managerSeminare 199, Oktober 2014
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