Für alle Fragen rund um unsere Webseite, unsere Medien und Abonnements finden Sie hier den passenden Ansprechpartner:
Übersicht Ansprechpartner
Beitrag von Andrea Bittelmeyer aus managerSeminare 335, Februar 2026
Einsamkeit und Arbeit: Wieso der Job Einsamkeitsgefühle provozieren kann
Gefährliche Einsamkeit: Welche Folgen das Gefühl sozialer Isolation hat
Vielschichtiges Phänomen: Die unterschiedlichen Ursachen von Einsamkeit im Job
Wertvolle „Wasserlöcher“: Wie sich sozialer Isolation im Arbeitsleben vorbeugen lässt
Leadership gegen Einsamkeit: Die Rolle von Führungskräften bei der Bekämpfung von Einsamkeit
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 335
Seit Monaten das Gleiche: Der Arbeitstag ist zu Ende, und „der Neue im Team“ klappt seinen Laptop zu. Für einen Moment ist es ganz still. Kein Kollege sitzt ihm gegenüber, der kurz fragt, was er heute noch vorhat. Und auch den ganzen Tag über war er allein mit sich und seinen Gedanken – allein im Homeoffice, abgesehen von ein paar sachlich-funktionalen Chats mit den Kollegen. Aber das Schlimmste ist: Im Firmenoffice läuft es kaum anders. Um ihn herum wuseln die Kolleginnen und Kollegen, sind in Calls vertieft, tippen in ihre Tastaturen, bringen ihre Projekte voran, helfen zwar weiter, wenn bei ihm eine Frage aufploppt, aber wirklichen Zugang zu ihnen findet er nicht. Sogar die Pausen verbringt er allein. Er fühlt sich ausgeschlossen. Einsam.
Situationen wie diese sind kein Einzelfall. Studien zeigen, dass Einsamkeit kein Randthema mehr ist, sondern ein stilles Risiko, das sich quer durch die Gesellschaft zieht. Laut einer aktuellen Untersuchung der Techniker Krankenkasse fühlen sich 60 Prozent der deutschen Bevölkerung zumindest teilweise einsam. Das Gefühl kommt, entgegen dem klischeehaften Bild von sozial isolierten Senioren, besonders häufig bei den unter 40-Jährigen vor. Nur 31 Prozent in dieser Altersgruppe geben an, sich niemals einsam zu fühlen. Das bedeutet: Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung ist von Einsamkeitsgefühlen betroffen. Und wie Längsschnittstudien an der Universität Leipzig mit Tausenden von Beschäftigten zeigen, empfinden zehn bis 15 Prozent der Beschäftigten auch am Arbeitsplatz ein hohes Maß an Einsamkeit. Und das, obwohl Arbeit im Prinzip vor sozialer Isolation schützen kann, schafft sie doch soziale Kontakte, strukturiert den Tag und sorgt potenziell für Zugehörigkeit.
Dass Einsamkeit am Arbeitsplatz dennoch keine Seltenheit ist, hat verschiedene Gründe. Eine der Ursachen vermuten Forschende und Praktiker in der Digitalisierung und der Zunahme der Remote-Arbeit. Homeoffice und Videokonferenzen sind seit der Corona-Pandemie zu einer fixen Größe geworden. Das hat zwar zahlreiche Vorteile für die Mitarbeitenden, doch fallen bei der digitalisierten Zusammenarbeit auch viele Begegnungsmomente weg, in denen früher automatisch informeller Austausch stattgefunden hat. „Die virtuellen Meetings sind meist strenger durchgetaktet, und der Small Talk davor und danach fehlt. Niemand fragt: Wie war dein Wochenende? Wie war die Fahrt? Soll ich dir einen Kaffee mitbringen?“, beobachtet der Führungskräftecoach Marcus Hein. Die erwähnte Studie der Techniker Krankenkasse untermauert diesen Eindruck. Ihr zufolge vermisst jeder vierte Mitarbeiter im Homeoffice den Austausch mit Kollegen und Kolleginnen.