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Der neue Drucker: Der Greis ist heiß

Ein Buch von Peter F. Drucker zu rezensieren, ist immer ein heikles Unterfangen. Man will sich schließlich nicht gleich als gläubiger Verehrer outen, der bei jedem neuen Werk des Management-Übergurus die Gutenberg-Bibel als Vergleichsmaßstab bemüht. Also schlägt man den Buchdeckel auf und fragt sich, welche Selbstüberschätzung einen 90-jährigen Greis geritten haben muss, sich zum Management im 21. Jahrhundert zu äußern. Um es vorweg zu nehmen: Diese Strategie scheitert bereits nach wenigen Seiten kläglich.

Erklärungsversuche: Drucker kombiniert sein unglaubliches Detailwissen immer wieder mit der Fähigkeit zur glasklaren Analyse. So versteht er es, mit kleinen historischen Anekdoten große wirtschaftliche Entwicklungen zu veranschaulichen - und macht über diesen Weg die Tragweite der gegenwärtigen Veränderungen bewusst. Zudem benutzt Drucker - wie er dem Leser im Kapitel Selbstmanagement verrät - seit nunmehr 20 Jahren die Feedbackanalyse. Er schreibt wichtige Entscheidungen und Handlungen auf, ebenso seine Schlussfolgerungen, was geschehen wird. Ein Jahr später nimmt er die Notizen zur Hand und vergleicht seine Vermutungen mit der Realität. Das, so Drucker, schütze am besten vor blockierender intellektueller Arroganz.

Wohl wahr. Management im 21. Jahrhundert ist wohltuend frei von nervtötend-oberflächlicher Trend- und Prognose-Rhetorik. Drucker begnügt sich vielmehr damit, die sich schon jetzt zweifelsfrei abzeichnenden Entwicklungen konsequent zu Ende zu denken. Wenn er auf wenigen Seiten die Folgen des Geburtenratenknicks auf die zukünftige Unternehmensstrategie skizziert, erscheinen die gegenwärtigen Streitereien um eine Rente mit 60 ebenso realitätsfremd wie die krampfhaften Bemühungen von Marketingabteilungen, sämtlichen Produkten ein jugendlich-spaßiges Image zu verpassen.

So zieht sich eine dezente Empfehlung durch das gesamte Buch. Das Management sollte weniger egozentrisch agieren und den Blick nach außen richten. Denn auch das erfolgreichste Unternehmen hat immer noch mehr Nicht-Kunden als Kunden. Bei den Nicht-Kunden, außerhalb der eigenen Branche und außerhalb des unmittelbaren wirtschaftlichen Geschehens nehmen aber die wirklich großen Veränderungen ihren Anfang.

Bleibt nach 272 Seiten die Erkenntnis: Ich bin wohl doch ein gläubiger Verehrer des altehrwürdigen Managementvor- und -nachdenkers. Vielleicht wird ja sein nächstes Buch ein Flop.
Autor(en): (jgr)
Quelle: managerSeminare 41, März 2000
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