Management

Burnout

Die häßliche Fratze des Erfolges

Sie funktionieren präzise, arbeiten bis zur Erschöpfung. Bis sie zerrieben werden zwischen den eigenen Ansprüchen und den hohen Anforderungen ihrer Umwelt. Burnout. Die immer noch nicht kapitulieren wollen, fangen an sich zu betäuben. Mit Alkohol, Koks, Tabletten. Big Business. Ein Spiel für höchste Ansprüche. Wie Russisch Roulett. Und es trifft nicht die Schlechtesten. Im Gegenteil.
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Ein verdammt kaputter Haufen waren wir schon, die wir da zur selben Zeit in dieser Klinik im Oberbayrischen untergekrochen sind. Privatklinik mit Seeblick, klar. Sonst war da auch nicht mehr viel, jedenfalls nichts mehr ohne die große Flatter zu kriegen, worauf die meisten von uns hätten blicken können. Nur auf Scherbenhaufen. Das Dilemma, mal ganz undramatisch gesagt, war, daß wir zuletzt mit immer mehr Arbeit immer weniger erreichten. Bis die Kräfte ganz versagt haben. Statt Arbeit, aber da wird`s schon dramatisch, hätte der ein oder andere auch Wodka oder Tranxilium sagen können.

Burnout gilt nicht als Berufskrankheit. Nicht offiziell. Und erst ab einer bestimmten Schicht. Burnout ist sozusagen ein Vorrecht. Obwohl etliche in einem kotzerbärmlichen Zustand daherkamen. Physisch fast auf Null. Innen auf 240. Hochdotierte Nadelstreifen, renommierte Eggs-heads, Medienleute und Politprofis. Powertypen einst. Dann einsame Wölfe. Jetzt ausgebrannt. Bei dem einen wollte das Herz nicht mehr so recht. Bei dem anderen der Kopf. Oder die Seele. Zahnlose Wölfe. Die hier ihre Wunden leckten.

Manche halten das Burnout-Syndrom für ein mentales Problem. Wobei dann das Ausbrennen einem Akt der Selbstverbrennung gleichkam. Natürlich mit allen streßtypischen psychosomatischen Desastern. Davon hatte jeder Einzelne bis zu seinem Abdriften allerlei weggesteckt, was im Regelfall andere Kaliber längst ins Bett gezwungen hätte: Gastritis, Herzschmerzen, Migräneanfälle, Schlaflosigkeit, Atemnot ... Das war übel. Aber kein Grund innezuhalten. Daß das Privatleben auf der Strecke blieb, Liebe sich auf gelegentliche Quickies reduzierte, die Kinder groß wurden, ohne daß man was davon merkte ... Nun, das Ganze ist außerordentlich bedauerlich. Das ist eben Big Business. Ein Spiel für höchste Ansprüche…
Autor(en): Henry J. Heibutzki
Quelle: managerSeminare 20, Juli 1995, Seite 30-36
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