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© Ojo Images

Auf Mitarbeiterpirsch

Active Sourcing

Weil herkömmliche Stellenanzeigen kaum noch Rückläufer produzieren, gehen Firmen in die Offensive. Sie suchen potenzielle Mitarbeiter im Netz und sprechen sie gezielt an. Active Sourcing heißt der Ansatz, bei dem detektivischer Spürsinn und Vorsicht gefragt sind. Denn der Grat zwischen willkommener Ansprache und nerviger Belästigung ist schmal.

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Der Auftrag ist eine harte Nuss: Gesucht wird ein Experte für eine Software, die in Deutschland nur wenig verbreitet ist. Lediglich eine Handvoll Profis kennt sich damit aus, und die meisten von diesen befinden sich obendrein in einer festen Anstellung. Kirstin Birner, beim Münchner IT-Dienstleister CompuSafe für die Rekrutierung zuständig, führt zunächst einen sogenannten Boolean Search durch, das heißt, sie kombiniert geschickt Suchbegriffe bei Google, um Menschen zu finden, die schon einmal beruflich mit der exotischen Software zu tun hatten. Sie hat Glück und wird fündig. Eine weitere Recherche in Businessnetzwerken fördert die Kontaktdaten der Zielperson zutage. Schließlich verschickt Birner eine persönliche Nachricht mit dem Jobangebot – und hat Erfolg: Der IT-Profi ist bereit, seine derzeitige Position aufzugeben und zu CompuSafe zu wechseln. Diese Art der Personalbeschaffung gehört für Birner seit gut zwei Jahren zum Alltag.

Weil – insbesondere bezüglich Nischenqualifikationen – der Arbeitsmarkt leergefegt ist und herkömmliche Stellenanzeigen kaum noch Resonanz hervorrufen, gehen Firmen in die Offensive. Sie suchen potenzielle Mitarbeiter im Netz und sprechen sie gezielt an. Active Sourcing heißt der Ansatz, und 25 Prozent der Arbeitgeber gehen schon so auf Talentpirsch – doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Das ergab eine Umfrage des Institute for Competitive Recruiting (ICR) unter 10.000 Personalern im deutschsprachigen Raum.

'Bei Beratern, Wirtschaftsprüfern und vor allem im technischen Bereich ist der Leidensdruck so groß, dass immer häufiger auch aktiv gesucht wird', berichtet Wolfgang Brickwedde, der die Studie durchgeführt hat. Zu den Unternehmen, die Active Sourcing betreiben, gehören Konzerne wie BASF, Accenture, Otto und Beiersdorf, aber auch Mittelständler wie CompuSafe.

Extras:

  • 'Den Kandidaten von übermorgen kennenlernen': Christine Renz, Leiterin Talent Acquisition bei Roche, Basel, im Interview
  • Active Sourcing rechtssicher: Was Sie bei der Kontaktaufnahme beachten müssen
  • Service: Hinweis auf ein Blog mit juristischen Informationen sowie zwei Fachartikel über Recruiting

Autor(en): Constantin Gillies
Quelle: managerSeminare 197, August 2014, Seite 26 - 30 , 16790 Zeichen
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