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'Top Dogs' bringt das Thema Outplacement auf deutsche Theaterbühnen

Männer in dreiteiligen Anzügen und Frauen in Kostümchen, allesamt in kühlem Grau, betreten die Bühne. Händeschütteln. Kurzer Namensaustausch. Das Begrüßungsritual ist business-like, das Fatale daran offenbart sich dem Zuschauer erst im nächsten Moment. Alle 'Top Dogs', so tauft der Schweizer Dramatiker Urs Widmer die obersten Manager seines gleichnamigen Theaterstücks, sind ehemalige Entscheidungsträger. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind arbeitslos und finden sich in der Outplacement-Beratung NCC New Challenge Company wieder.
Das, was momentan als Theaterstück in Köln, Düsseldorf, Würzburg und Freiburg aufgeführt wird, bringt erstmals diejenigen Dienstleister auf die Bühne, die im Auftrag der Arbeitgeber überflüssig gewordene Manager auffangen: Outplacement-Beratungen oder - weniger werbewirksam formuliert - Beratungen zur beruflichen Neuorientierung. In Zeiten von Lean Management und Restrukturierungen eine offenbar notwendig gewordene Dienstleistung, deren Thematisierung an dem Tabu Arbeitslosigkeit rüttelt.
Autor Urs Widmer hat monatelang Gespräche mit Betroffenen und Beratern geführt, um - gespickt mit schwarzem Humor - das Schicksal derjenigen zu beleuchten, die noch vor kurzem an den Schalthebeln der Macht saßen. Die Berater kommen in seinem Stück nicht so gut dabei weg, sind sie es doch, die kalt und unbarmherzig die ehemaligen Macher in Rollenspielen und Kampfübungen zu ungewollten Beichten und Tränenausbrüchen veranlassen.
'Wir nehmen das Stück mit Humor', erklärt Ina Schalk von der Outplacement-Beratung DBM von Rundstedt und Partner, deren Schweizer Kollegen dem Autoren Widmer zu Recherchezwecken zur Verfügung standen. Denn obwohl das Theaterstück überspitzt und karrikiert, sind ihrer Ansicht nach vor allem in den Bewältigungstrategien der entlassenen Manager Paralellen zur Wirklichkeit vorhanden.
Die Arbeit der Outplacementberater geht allerdings doch etwas anders vonstatten als im Theaterstück präsentiert. So werden die Manager in der Realität z.B. nicht gebrieft, wie sie den Kopf und die Hände beim Gehen zu halten haben, wohl aber nach einer Analyse ihrer Ziele und Wünsche gezielt auf ihre eigene Werbekampagne vorbereitet. Die Dienstleistung umfaßt dabei sowohl Simulationen von Bewerbungsgesprächen als auch Coachings während der Probezeit. Nach Angaben von Ina Schalk suchen die Führungskräfte durchschnittlich 5,7 Monate nach einer neuen Beschäftigung, einen neuen Job finden nahezu alle.
Wie humorfest die Firma mit Sitz an der Düsseldorfer Kö tatsächlich ist, zeigt sie mit einer Sonderaufführung für Kunden im November 1997. Bei diesem 'Kultursponsoring der umgekehrten Art' wird sich sicher auch so manch ein ehemaliger Outplacement-Kandidat wiederfinden können. Mit einem Unterschied: Jetzt kann er darüber lachen...
Autor(en): (nbu)
Quelle: Training aktuell 11/97, November 1997
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