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Seminaranbieter entwickeln neue Kurse für 'altes Eisen'

Der Eintritt ins Rentenalter wird ein neues Traininingsthema. Schließlich müssen sich die Ruheständler auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten, meinen die Anbieter. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass die Zielgruppe rapide wächst: Die Gruppe der 55- bis 64-Jährigen wird zwischen 2010 und 2030 bundesweit um rund ein Drittel größer, hat das Statistische Bundesamt jüngst ausgerechnet.

'Gibt es ein Leben vor der Rente?', lästern leidgeprüfte Arbeitnehmer. Das Leben fängt erst an, wenn der Bürotrott ein Ende gefunden hat, meinen sie. Doch es kann auch ganz anders kommen, weiß Dr. Heinz Bless. 'Viele Menschen bekommen große Probleme, wenn sie plötzlich den ganzen Tag zu Hause sitzen', erklärt der studierte Betriebswirt. Das Lob des Chefs fällt weg und damit sinkt das Selbstbewusstsein. 'Depressionen sind keine Seltenheit', weiß der ehemalige Geschäftsführer eines Hamburger Wirtschaftsverbandes. Um das zu vermeiden, will Bless nun Seminare anbieten, in denen sich die Teilnehmer frühzeitig mit ihrer neuen Lebenssituation auseinandersetzen. Ziel seiner Kurse ist es, dass die Senioren Initiativen und Ideen entwickeln, mit denen sie ihre freie Zeit nach dem Renteneintritt gestalten können.

Junge Trainer sind ungeeignet

Das Seminar 'Ausstieg aus dem Arbeitsleben - Einstieg in mehr Lebensfreude' findet erstmals am 12. September 2007 in München statt. Weitere Kurse sind geplant. Die Teilnahme kostet 350 Euro; Anmeldung unter
Tel.: 0211-62 38 17.

Neu ist die Idee der Seniorenkurse nicht, gibt Bless zu. Doch er hat beobachtet: Oft sprechen Trainer über das Altern als Chance, die selbst die 40 noch nicht überschritten haben. Völlig uneffektiv, meint Bless, der sein Alter in der Kategorie '65 plus' verortet: 'Ein Gespäch über den Ruhestand muss in Augenhöhe stattfinden.' Diese Lücke will der Managementtrainer nun schließen. Er ist sicher, dass die Nachfrage da ist. 'Das Thema wird wegen des demografischen Wandels immer wichtiger', meint er.

Vom Tabu- zum Trendthema

Diese Meinung teilt Professor Dr. Leopold Stieger. In Wien hat er das Unternehmen Seniors 4 Success gegründet. Seit drei Jahren bietet er dort den Kurs 'Den Übergang meistern' an. (Nächster Termin: 22. bis 23. November 2007. Ort: Stift Vorau. Kosten: 950 Euro. Infos unter www.seniors4success.de.) In den ersten zwei Jahren war die Nachfrage gering, gibt Stieger zu. 'Das Thema wird oft tabuisiert', hat der Österreicher beobachtet. Doch der 68-Jährige ist überzeugt, dass sich das Blatt wenden wird. 'In den vergangenen zwölf Monaten hat sich in der öffentlichen Diskussion viel getan, und ich bin sicher, dass diese Trainings sehr bald sehr gefragt sein werden', so Stieger.

Doch nicht nur die Arbeitnehmer sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen, meinen die beiden erfahrenen Trainer unisono. Auch Firmen täten gut daran, ihre Mitarbeiter vor dem Eintritt in die neue Lebensphase zu unterstützen. 'Die Unternehmen haben eine sozialpolitische Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, die sie in den Ruhestand schicken', meint Dr. Heinz Bless.

Neben dem Arbeitnehmer profitiert auch der Arbeitgeber von solchen Angeboten, ergänzt Professor Stieger. Ein Beispiel: 'Manche Kursteilnehmer entscheiden für sich, dass sie stundenweise weiterarbeiten wollen, damit der Übergang fließend ist', erklärt Stieger. Mit einer solchen Regelung sei beiden Seiten geholfen: Der Arbeitnehmer hat weiterhin eine Aufgabe. Und das Unternehmen kann von seiner Erfahrung profitieren. Der Wiener ist ohnehin überzeugt: 'Firmen brauchen das Know-how ihrer Ehemaligen.'
Autor(en): (com)
Quelle: Training aktuell 08/07, August 2007
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