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Rita Süssmuth über Weiterbildung: 'Wir brauchen die lernende Gesellschaft'

'Die Weiterbildung für Politiker ist nicht organisiert, sondern vollzieht sich', erklärte Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth. Auf einem Treffen mit 20 Journalisten des Presseclubs Tagung und Weiterbildung (PTW) im Hotel Freizeit In, Göttingen, erzählte die CDU-Politikerin auch von ihrer eigenen Entwicklung. Obwohl ihr Werdegang erfolgreich verlief, wünscht sie sich generell mehr Beachtung des 'Zukunftsthemas Weiterbildung'. Süssmuth: 'Wir berufen uns immer auf den hohen Bildungsstand und übersehen die Defizite.' Dabei springen einem die Indizien für Schwächen im Bildungssystem fast ins Auge: Während sich die Bundesbürger oftmals Know-how in den USA, England und Kanada abholten, sei der Anteil ausländischer Studenten an deutschen Hochschulen von 20 auf acht Prozent gesunken, berichtete die Bundestagspräsidentin.
Konkret bemängelte sie, daß sich unser Bildungs- und Hochschulwesen noch nicht auf lebenslanges Lernen eingerichtet habe. Statt nach 13 Jahren Schule und sechs bis sieben Jahren an der Universität die Bildung für abgeschlossen zu halten, müßten wir uns zur 'lernenden Gesellschaft' entwickeln. Schließlich sei es heute keine Seltenheit mehr, daß jemand drei- bis viermal den Beruf wechselt. Ihr Appell richtete sich auch an die Unternehmen, die Weiterbildung und Forschung oftmals zur öffentlichen Angelegenheit erklärten. Nachgeholfen werden könnte hier von seiten der Politik durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten.
Mit beruflicher Weiterbildung allein ist es nach Ansicht der Bundestagspräsidentin jedoch nicht getan: 'Weiterbildung darf nicht auf den Wirtschaftsstandort Deutschland reduziert werden, sondern muß zur Stärkung der demokratischen Streitkultur in Deutschland beitragen.'
Autor(en): (abi/nbu)
Quelle: Training aktuell 11/97, November 1997
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