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Rezension: Organisationen des Wissens

Wissen macht Millionäre - nicht nur bei Günter Jauch. Auch in Unternehmen ist der wirtschaftliche Erfolg zunehmend davon abhängig, in welcher Weise Wissen gesammelt, aufbereitet und im Sinne der Unternehmensziele eingesetzt wird. Das Buch 'Organisationen des Wissens. Anleitung zur Gestaltung' von Heiko Roehl beschäftigt sich mit bislang eher vernachlässigten Aspekten des Wissensmanagements. Nicht die technologische bzw. informationstechnische Seite des Wissensmanagements wird beleuchtet, sondern die organisations-kulturellen Implikationen, die in der Frage münden, wie der Umgang mit Wissen im Unternehmen aussehen müsste, damit er tatsächlich einen Beitrag zu einer permanenten Veränderungsstrategie leisten kann.
Ausgangspunkt ist Roehls These, dass Wissen in Organisationen allzu oft entwertet, vernichtet und rationalisiert wird: Die Mentalität der materiellen Produktion mit Attributen wie Schwerfälligkeit, Kontrolle, Arbeitsteilung und Verantwortungsabgrenzung werde fälschlicherweise auf den Wertschöpfungsprozess des Wissens übertragen. Eine weitere These: Je mehr es einer Organisation gelingt, Wissen zu produzieren, desto größer wird im Gleichschritt die Menge neuer Fragen und damit das Nichtwissen. Für dieses Paradoxon müsse die Organisation eine intellektuelle Antwort bereithalten, eine Lösung auf der Ebene von Bits und Bytes könne es hier nicht geben. Der Autor präzisiert: Wer ein deutliches Bild davon habe, was er nicht weiß und was er auch nicht wissen muss, könne unter Rahmenbedingungen der Unsicherheit effizienter handeln.
Von Prolog und Epilog umschlossen sind die zwei Teile des Buches mit den Titeln 'Die Wissensorganisation' und 'Wissen organisieren'. Die Aussagekraft dieser Überschriften ist ebenso gering wie jene der zugeordneten Unterkapitel. Der erste Teil des Buches besteht im Wesentlichen aus Fragmenten der Wissenssoziologie und der Systemtheorie, die zweifelsohne in prägnanter und nachvollziehbarer Form auf den Kontext von Unternehmen übertragen werden und auch ausgewiesene Wissensmanager in produktiver Weise nachdenklich stimmen werden. Im zweiten Teil finden sich so genannte Instrumente der Wissens-organisation, die allerdings allesamt auch unter dem Titel 'Instrumente modernen Personalmanagements' oder 'Instrumente des Change Managements' aufgelistet werden könnten. Qualitätszirkel, Job Rotation und Gesprächstechniken (um nur einige zu nennen) werden hier als Methoden vorgestellt, Wissen in Unternehmen effizient zu organisieren. Die Originalität des Buches ist folglich eher in den Ausführungen des ersten Teils zu finden.

Fazit: Alternativer Blickwinkel und organisations-philosophisches Korrektiv in der meist technisch ausgerichteten Wissensmanagementliteratur.

Von Heiko Roehl, 236 S., geb., Klett-Cotta, Stuttgart 2002, ISBN 3-608-91036-0, 30,- Euro.
Autor(en): (Michael Merz)
Quelle: Training aktuell 09/02, September 2002
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