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Rezension: Mythos Projekt

'Mythos Projekt. Projekte gehören abgeschafft.' Der Autor Adrian W. Fröhlich hat diesen Titel seinem vorliegenden Werk gegeben, da er davon überzeugt ist, dass Projekte im herkömmlichen Sinne zum Scheitern verurteilt sind.
Einen wesentlichen Grund hierfür sieht Fröhlich darin, dass die 'Rest'-Organisation im Verlaufe der Projektarbeit unverändert bleibt. Er ist der Ansicht, dass erfolgreiche Projekte nur durch eine gleichzeitige Veränderung des organisatorischen Umfelds realisiert werden können. Weiterhin vertritt der Autor die Ansicht, dass ein Hauptgrund für das Scheitern in unklaren, allgemeinen und dilettantischen Projektaufträgen liegt. Folgerichtig zieht sich seine Forderung nach klaren und konkreten Projektaufträgen durch das Buch wie ein roter Faden.
Fröhlich beschränkt seine Ausführungen auf IT-Projekte, es geht um Probleme, Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge auf diesem Projektfeld. Nachdem er die Erfolgsfaktoren für IT-Projekte beschreibt, geht er mit den IT-Spezialisten hart ins Gericht: Softwareentwickler sind seiner Ansicht nach faul, arrogant und überfordert mit ihren Aufgaben. Er konstatiert einen absoluten Disziplinmangel bei allen Beteiligten von IT-Projekten - inklusive Auftraggeber.
IT-Teams seien inkompetent und weigerten sich, aus Problemen und Schwierigkeiten dazuzulernen. Die IT-Projektarbeit sei insgesamt durch eine allgemeine Verwahrlosung gekennzeichnet.
Eine der wesentlichen Schlussfolgerungen des Buches ist eine grundsätzliche Veränderung des klassischen Projektbegriffes. Fröhlich trennt zwischen Projekt (als konkrete und genaue Beschreibung des endgültigen Arbeitsergebnisses) und Realisierung (als Umsetzungs- und Herstellungsprozess). So wie er schon die Projektdefinition vollkommen verändert, fordert er neue Paradigmen im IT-Projektmanagement - und beschreibt diese auch: Z.B. plädiert er für Tests vor der Modellbildung. Sinn und Zweck dieser Tests soll es sein, Fehler zu finden, nicht etwa die Lauffähigkeit eines Projektes zu beweisen.
Das Buch ist insgesamt systematisch aufgebaut und klar strukturiert. Es ist in drei Bereiche unterteilt: 'Demontage' (der vorherrschenden Vorstellungen von IT-Projektmanagement), 'Recycling' (als Erneuerung von Instrumenten und Vorgehensweisen im Projektmanagement) und 'Visionen' (für ein besseres IT-Projektmanagement).
Die Stärken der Lektüre liegen eindeutig in den Ausführungen zur IT-Projektmanagementpraxis. Die Abschnitte zur Organisationstheorie zeugen dagegen eher von geringeren Kenntnissen des Autors über organisationsdynamische Prozesse.

Fazit: Für IT-Projekte ist dieses Buch Pflicht - für andere Projekte eine Ergänzung.

Von Adrian W. Fröhlich, 249 S., geb., Galileo Press, Bonn 2002, ISBN 3-898-421-538, 24,90 Euro.
Autor(en): (Werner Zimmer-Henrich)
Quelle: Training aktuell 07/02, Juli 2002
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