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Beitrag von Silvia Balaban aus Training aktuell 02/26, Februar 2026
Das „Positive-Leadership-Spiel“ ist ein Kartenset, das Führungskräften auf eine spielerische Art und Weise dabei helfen will, Lösungen für Herausforderungen und Probleme aus ihrem Alltag zu finden. Grundlage des Tools ist die kollegiale Fallberatung, ein etabliertes Beratungsformat, bei dem reale Praxisfälle gemeinsam in einer Gruppe von Kolleginnen und Kollegen reflektiert und konkrete Lösungsansätze entwickelt werden. Verbunden wird dieses Format mit Ansätzen der Positiven Psychologie. Der Anbieter Marcus Schweighart formuliert über sein Kartenset einen klaren Anspruch: Das Spiel soll die Lösungsfindung systematisieren, die Qualität der Zusammenarbeit fördern und kollegiale Beratung insgesamt wirksamer und konsequent lösungsorientiert gestalten. Der Nutzen soll vor allem in der Bündelung unterschiedlicher Erfahrungen, der Entlastung durch Austausch und der Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums liegen. Außerdem sollen Weiterbildende mit dem „Positive-Leadership-Spiel“ Trainings und Coachings lebendiger, tiefgehender und zugleich evidenzbasiert gestalten können. Neben der physischen Version steht das Tool auch als Online-Variante für remote arbeitende Führungskräfte zur Verfügung.
Das „Positive-Leadership-Spiel“ ist ein Kartenset, das Führungskräften auf eine spielerische Art und Weise dabei helfen will, Lösungen für Herausforderungen und Probleme aus ihrem Alltag zu finden.
Mein erster Eindruck beim Auspacken des „Positive-Leadership-Spiels“ ist insgesamt gut. Der Lieferumfang für drei bis sechs Teilnehmende besteht aus 40 Strategiekarten, sechs Anleitungskarten und zwei Karten für das Trainerbriefing. Die Karten sind sauber gedruckt, stabil und lassen sich gut handhaben. Das Design ist modern und nicht überladen – ein Plus für den professionellen Einsatz. Der frische Druckgeruch des Kartensets verflüchtigt sich nach wenigen Minuten. Die Erklärungen in den Anleitungskarten sind klar aufgebaut, verständlich formuliert und auch für Personen ohne Erfahrung in kollegialer Fallberatung oder Positiver Psychologie gut nachvollziehbar. Beschrieben werden die Spielregeln, Zielsetzung und einzelne Schritte sowie unterschiedliche Varianten für den Einsatz im Training und Coaching. Der Ablauf des Spiels folgt klar definierten Schritten: Zu Beginn setzen sich die Teilnehmenden individuell mit einer Frage auseinander und überlegen sich dazu einen eigenen Fall (aus ihrer Praxis). Anschließend stellt die erste Person ihren Fall in der Gruppe vor. Die übrigen Teilnehmenden hören zu, klären offene Fragen und entwickeln unterschiedliche Perspektiven, Hypothesen und Lösungsideen zu dem Fall. Dabei kommen die Strategiekarten zum Einsatz, die als Impulsgeber dienen und helfen sollen, Konzepte und Haltungen der Positiven Psychologie gezielt in die Reflexion einzubeziehen. Sobald alle Lösungsvorschläge gesammelt sind, fasst die Fallgeberin oder der Fallgeber die Ergebnisse zusammen und entscheidet, welcher Ansatz für sie bzw. ihn am hilfreichsten erscheint. Danach übernimmt eine andere Person die Rolle des Fallgebers, und der Prozess beginnt von vorne.
Ich teste das „Positive-Leadership-Spiel“ in einem Führungskräftetraining mit fünf Führungskräften aus dem Middle Management. Die Vorbereitung war minimal – kurze Einweisung geben, Karten mischen und los gehts. Die Führungskräfterunde erhält zwei Minuten Zeit, sich mit der Frage „Welche Beziehung möchte ich aktuell stärken oder verbessern?“ auseinanderzusetzen und über ein eigenes Anliegen nachzudenken. Die Spielanleitung weist ausdrücklich darauf hin, dass es dabei nicht ausschließlich um problematische oder konflikthafte Arbeitsbeziehungen gehen muss. Die erste Fallgeberin beginnt, ihre Situation zu schildern: Ein Mitarbeiter in ihrem Team zeige wenig Empathie und verletze durch abwertende Kommentare wiederholt den gesamten Kollegenkreis. Zur Einordnung nennt sie konkrete Beispiele und beschreibt, welche Maßnahmen sie bereits ergriffen hat. Die übrigen Führungskräfte hören zu, stellen klärende Fragen und ziehen jeweils vier Strategiekarten.
Einem der Führungskräfte blicke ich dabei über die Schultern. Die gezogenen Karten: 1. Hoffnung: Was kann den Beteiligten Hoffnung schenken? 2. Achtsamkeit: Wie viel Energie zur Bewältigung ist jetzt gerade vorhanden? 3. Positive Emotionen: Wie können mehr positive Emotionen geweckt werden und nützlich sein? 4. Geben und Nehmen: Wenn Sie sich darauf konzentrieren, dem anderen in der Beziehung etwas zu geben, welchen Einfluss könnte das haben? Ich bin gespannt, ob aus den vier Karten Lösungsideen entstehen. Nach kurzem Stirnrunzeln antwortet die Führungskraft mit der vierten Karte: „Nachdem Feedback von den Betroffenen und von dir wenig Wirkung zeigte, wie du in der Fallschilderung erzähltest, würde ich deinem Mitarbeitenden ein Business Coaching mit dem Ziel, seine emotionale Seite zu entwickeln, anbieten.“ Dann stellt die nächste Führungskraft ihre Lösung vor, die ebenfalls von einer gezogenen Karte inspiriert wurde: „Stelle dem Mitarbeitenden drei- bis fünfmal die Frage: Wofür tust du das?“ Die Fallgeberin nickt nachdenklich und schreibt sich diese Frage in ihr Notizbuch auf. Später in ihrem Fazit erwähnt sie, dass sie ihrem Mitarbeitenden noch nie eine solche Frage gestellt bzw. immer ihre eigene Interpretation in Bezug auf sein Verhalten angestellt hat.
Während des ganzen Spielablaufs kann ich beobachten, dass ein sichtbares Momentum entsteht: Die Strategiekarten machen etwas mit den Menschen – sie strukturieren, inspirieren und erweitern Denk- und Bewertungsweisen sowie Lösungsoptionen. Die Spielerinnen und Spieler kommen schnell ins Gespräch und ziehen je nach Fall mal mehr, mal weniger passende Karten-Impulse. Gleichzeitig werden auch ein paar Lösungen ohne die Karten genannt.
Der Einsatz des Kartensets fühlt sich insgesamt leicht und flüssig an. Die Karten ermöglichen Perspektivwechsel, die ohne dieses Tool vermutlich deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen hätten. Mehrfach berichteten die Teilnehmenden, dass die Fragestellungen und Aussagen sie zum Nachdenken anregten und dass sie positiv überrascht waren, wie einfach sich die Impulse in konkrete, praxisnahe Lösungen übertragen ließen. Im Kontext der kollegialen Fallberatung erweist sich das Kartenset als sinnvolle Unterstützung eines bewährten Formats, indem es das Vorgehen stärkt, Wissen in der Gruppe zu teilen, Reflexion systematisch zu fördern und Führungskompetenz nachhaltig zu verankern. Meiner Meinung nach funktioniert das Kartenset (wie in meiner Testrunde) am besten mit Personen, die offen für Reflexion und Austausch sind. In stark hierarchisch geprägten Gruppen könnten Redebeiträge und Lösungsansätze gegebenenfalls knapper ausfallen.
Als Verbesserungsvorschlag würde sich z.B. eine kleine Online-Bibliothek mit Beispielrunden anbieten. Darüber hinaus könnten ausgewählte Strategiekarten mit QR-Codes versehen werden, die zu vertiefenden Erläuterungen führen. So ließen sich etwa bei der Karte „Motive: Machen Sie sich die Motive der beteiligten Personen bewusst“ eine kurze Definition von Motiven, die Abgrenzung zu Werten sowie exemplarische Beispielmotive ergänzen.
Ein kompaktes Tool, das die kollegiale Fallberatung belebt und Positive Psychologie spielerisch in die Praxis bringt.
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