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Beitrag von Janine Dengel aus Training aktuell 01/25, Januar 2025
Ob Sketchnotes, Graphic Recordings oder einfache Symbole und Figuren – Visualisierungen erwecken abstrakte Inhalte zum Leben und machen Botschaften greifbarer. Deshalb gehören sie längst zum Standardrepertoire in Training, Coaching und Beratung. Doch nicht immer fällt es leicht, passende Bildideen zu entwickeln, die eine Botschaft anschaulich und kreativ unterstützen.
Hier setzt das Kartenset Picdeca – kurz für Picture Development Cards – an. Mit einer Vielzahl von Symbolen, ergänzt durch Bildideen- und Fragekarten, will es Weiterbildungsprofis dabei unterstützen, spielerisch neue Bildideen für ihre Praxis zu entwickeln. Picdeca eignet sich sowohl für die Einzelarbeit als auch für den Einsatz in Gruppen, z.B. als Warm-up oder für eine längere kreative Session in Visualisierungs-Workshops. Entwickelt wurde das Set von der Trainerin und Sketchnoterin Ines Schaffranek.
Picdeca wird per Mail als PDF-Dokument geliefert und besteht aus insgesamt 35 Seiten. Dazu gehören eine dreiseitige Anleitung mit Tipps, 19 Seiten mit über 150 Symbolen (z.B. Geschenk, Flugzeug, Gespenst), drei Seiten mit sieben Bildideenkarten mit den Titeln „Etikett“, „XXL“, „Gegenteil“, „Personifikation“, „Masse“, „Plus“ und „Fiktion“, acht Seiten mit zwölf Fragekarten, die den Kategorien „Storytelling“, „Wunderfragen“, „Kundenverständnis“ und „Selbsterkenntnis“ zugeordnet sind, und zwei Vorlagenseiten zur Gestaltung eigener Symbol-, Bildideen- oder Fragekarten.
Den Praxistest führe ich in Einzelarbeit durch und werfe zunächst einen Blick in die Anleitung. Dort steht, dass ich zuerst alle Karten ausdrucken und anschließend ausschneiden muss. Dies nimmt insgesamt ungefähr 15 Minuten Zeit in Anspruch und funktioniert problemlos und sauber: Das Ausschneiden wird durch gut erkennbare, durchgezogene Linien erleichtert, die die Schnittstellen deutlich markieren. Nun nehme ich Stift und Papier zur Hand und lege die Symbol- und Bildideenkarten, wie in der Anleitung beschrieben, zugedeckt vor mir auf den Tisch. Die Aufgabe besteht darin, Bildideenkarten zu ziehen und die Anweisungen auf den Karten zu lesen und zu befolgen. Die Fragekarten lege ich beiseite, da sie zunächst nicht benötigt werden.
Ich ziehe die erste Bildideenkarte mit dem Titel „Etikett“. Die Anweisung lautet: „Ziehe eine Symbolkarte. Überlege, wofür das Symbol stehen könnte. Zeichne und beschrifte es.“ Aus den Symbolkarten ziehe ich eine Haifischflosse, die lediglich aus einem dreieckigen Element über einer wellenförmigen Linie besteht. Das Nachzeichnen fällt mir leicht, und währenddessen denke ich über die Symbolik nach: Ein Hai steht für mich zunächst für Gefahr. Er bewegt sich aber auch schnell und entschlossen durch das Meer. Deswegen könnte die Flosse also auch für „Geschwindigkeit“ und „Fortschritt“ stehen, was ich neben meiner Skizze aufschreibe. Als Nächstes ziehe ich die Bildideenkarte „Personifikation“: „Ziehe ein Symbol und vermenschliche es.“ Die gezogene Symbolkarte: ein Herz. Ich überlege kurz, zeichne das Herz nach und ergänze weitere Details: Eine Brille, ein lächelndes Gesicht und hochgereckte Arme, die Freude ausdrücken sollen.
Zufrieden mit diesem Ergebnis ziehe ich die nächste Bildideenkarte. Sie heißt „Fusion“ und die Anweisung lautet: „Ziehe zwei Symbole und verschmelze sie miteinander.“ Die Symbole, die ich ziehe, sind ein Luftballon und eine Glühbirne. Da diese beiden Symbole eine sehr ähnliche Form haben (oval), fällt es mir leicht, sie miteinander zu verbinden: Zuerst zeichne ich den Luftballon und platziere das Innere der Glühbirne im unteren Teil des Ballons. Obwohl es in der Anleitung nicht beschrieben ist, denke ich während des Zeichnens automatisch darüber nach, was diese Kombination bedeuten könnte: Der Glühbirnen-Ballon könnte eine Idee symbolisieren, die noch in der Schwebe ist, aber an der festgehalten wird. Meine Gedanken schreibe ich neben die Skizze. Dann ziehe ich die vierte Bildideenkarte „Plus" mit der Anweisung: „Ziehe zwei Symbole, betrachte die Bilder und frage dich, was wäre, wenn.“ Meine gezogenen Symbolkarten sind ein Wecker und Flammen. Hier muss ich nicht lange überlegen: Zuerst zeichne ich den Wecker und integriere die Flammen im unteren Bereich: „Was wäre, wenn der Wecker in Flammen stünde? Dann läuft die Zeit davon.“ Diese Bildidee könnte symbolisch also für „Zeitengpässe“ stehen.
Zum Abschluss ziehe ich die Bildideenkarte „XXL“: „Ziehe ein Symbol, zeichne es groß auf und überlege, auf wen oder was es trifft. Ziehe dafür ein zweites Symbol.“ Ich ziehe ein Teleskop mit Sternenhimmel, was ich zunächst groß aufzeichne. Dann ziehe ich als zweites eine Leiter. Diese zeichne ich angelehnt an dem Teleskop auf, ausgerichtet in Richtung Sternenhimmel. Ich überlege kurz, was diese Kombi bedeuten könnte, und komme z.B. auf diese Idee: „Sei offen für Neues und greife nach den Sternen. Verfolge deine Ziele entschlossen.“
Nun lege ich den Stift und das Papier zur Seite und schaue noch einmal in die Anleitung. Dabei entdecke ich, dass das Kartenspiel noch eine weitere kleine Übung mit dem Titel „Auf Entdeckungsreise gehen“ bereithält. Diesmal kommen die Symbol- und Fragekarten ins Spiel. Meine Aufgabe ist es, eine der zwölf Fragekarten auszuwählen, die mich am meisten anspricht. Ich entscheide mich für eine Karte aus der Kategorie „Selbsterkenntnis“ mit der Frage: „Worin bist du richtig gut? Ziehe drei Symbolkarten, die für deine Stärken stehen.“ Während ich die Symbole betrachte (dieses Mal habe ich alle Symbolkarten offen vor mir auf dem Tisch ausgebreitet), lasse ich meine Gedanken über meine Stärken schweifen. Die Vielzahl der unterschiedlichen Symbole lässt mich länger innehalten und reflektieren. Schließlich treffe ich meine Wahl: Der Stift, der für meine Kreativität stehen soll, die Zielscheibe, die meine Zielstrebigkeit symbolisieren soll, und die Lupe, die meine Neugier verkörpert.
Durch das Kombinieren und Personifizieren der Symbole hat mich das Kartenset zu einigen kreativen Bildideen inspiriert. Es sind ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten entstanden, auf die ich ohne das Set und seine Impulse wahrscheinlich nicht gekommen wäre. Außerdem hat das Kartenset meinen Blick auf die Bedeutung der Symbole erweitert. Durch die intensivere Auseinandersetzung mit den Symbolen sind mir neue, alternative Bedeutungen bewusst geworden – z.B. bei der Haiflosse. Diese Erweiterung des Blickwinkels könnte auch für Weiterbildungsprofis hilfreich sein, um Symbole vielseitiger und in unterschiedlichen Kontexten einzusetzen.
Insgesamt fand ich die Arbeit mit dem Kartenset spannend und bin mit den Ergebnissen zufrieden. Noch effektiver als meinen Solo-Test stelle ich mir allerdings den Einsatz des Sets in einer Gruppensituation vor. Durch den Austausch und die Diskussion untereinander könnten noch mehr kreative Ideen entstehen. Auch die zweite Übung würde in der Gruppe wahrscheinlich mehr Wirkung zeigen. Bei der Übung zu den Stärken könnte es spannend sein, wenn Gruppenmitglieder anhand der ausgewählten Symbole raten, welche Stärken die anderen haben. Dies würde beispielsweise das gegenseitige Kennenlernen fördern.
Ein vielfältig einsetzbares Kartenset, das Bewegung in die Bilderwelten im Kopf bringt.
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