Politisches

OECD-Bildungsbericht: Deutschland verliert den Anschluss

Das deutsche Bildungssystem fällt im internationalen Vergleich weiter zurück. Das geht aus dem jährlichen Bildungsbericht der OECD hervor. Das größte Problem: der Akademikermangel in Deutschland. Vor allem im Bereich der Ingenieurwissenschaften ist der Fachkräftemangel programmiert.

Deutschland könnte zu einer geographischen Bildungslücke werden. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse des Bildungsberichts 'Education at a Glance' ('Bildung auf einen Blick') der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hin, die im September 2007 in Berlin vorgestellt wurden. Schon im Vorjahr hatte Deutschland schlechte Noten bekommen - auch in diesem Jahr sind die Ergebnisse ernüchternd: Von Platz 10 auf Platz 22 ist das deutsche Bildungssysstem im Vergleich der 30 wichtigsten Industriestaaten abgerutscht.

Zu wenig Studenten - zu viele Studienabbrecher

Besonders bedenklich ist in Deutschland die Quote der Hochschulabsolventen, mahnt die OECD in ihrem Bericht. Auf die Gelehrten-Zahl legen die Studienautoren seit jeher besonderen Wert. Schließlich, so ihre These, entscheidet ein Universitätsbesuch maßgeblich über den Wohlstand des Einzelnen und damit auch über die Zukunftsfähigkeit der gesamten Gesellschaft.

Zwar konnte Deutschland in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Studenten um fünf Prozent steigern - im internationalen Vergleich ist das aber dürftig. Die 29 anderen Industrienationen legten in der gleichen Zeit im Schnitt um 41 Prozent zu.

Nur 36 Prozent eines Jahrgangs beginnen in Deutschland überhaupt ein Studium, monierten die Verfasser des Berichts. Im OECD-Schnitt sind es über 50 Prozent. Und als wäre diese niedrige Zahl nicht schon alarmierend genug, kommt noch ein weiteres deutsches Spezifikum dazu: Die Zahl der Studienabbrecher ist hierzulande extrem hoch. Nur 20 Prozent der Studenten halten bis zum Abschluss durch, gegenüber 36 Prozent in den anderen Industrienationen.

Zu wenige deutsche Abiturienten studieren, und die, die an die Uni gehen, bevorzugen häufig die so genannten weichen Fächer, bringt die OECD ein weiteres Dilemma auf den Punkt. So haben nur 3,2 Prozent eines Jahrganges ihre Akademikerlaufbahn 2005 mit einem Ingenieurszeugnis beendet. Im OECD-Duchschnitt sind es 4,4 Prozent.

Das hat Folgen: Schon heute fehlen in Deutschland - je nach zitierter Quelle - 20.000 bis 40.000 Ingenieure. Diese Situation wird sich massiv verschärfen, so die Studienergebnisse. Auf 100 ältere Ingenieure zwischen 55 und 69 Jahren kommen in Deutschland nur 90 Berufsanfänger zwischen 25 und 34 Jahren - der Fachkräftemangel ist programmiert.

Als Reaktion auf den Bericht kündigten Bundesbildungsministerin Annette Schavan und der Präsident der Kultusministerkonferenz Präsident Jürgen Zöllner einen 'Bildungs-Herbst' an. Bund und Länder müssen umgehend Strategien gegen den drohenden Fachkräftemangel entwickeln, forderten beide. Schavan bekräftigte ihr Ziel, 40 Prozent eines Jahrgangs für ein Studium zu gewinnen.

Keine Daten zur Weiterbildung

Wie viele junge Menschen eines Jahrgangs studieren? Für welches Fach interessieren sie sich? Gibt es Geschlechterdifferenzen? All diese Fragen beantwortet der Bericht. Nur eine nicht: Wie sieht es mit der Weiterbildung in den OECD-Staaten aus?

Zwar enthält der aktuelle Bericht ein schmales Kapitel zur Erwachsenenbildung, doch die zugrunde liegenden Zahlen sind aus dem Jahr 2003 und wurden schon im Bericht des Vorjahres publiziert. Nicht in jedem Jahr könne zu allen Bildungs-Aspekten geforscht werden, heißt es dazu auf Nachfrage von Training aktuell aus dem OECD-Büro. Für die deutsche Bildungsministerin ist das kein Nachteil: Sie ist darum herum gekommen, sich in einem weiteren Bildungssektor eine schlechte Note für Deutschland abzuholen.
Autor(en): (com)
Quelle: Training aktuell 10/07, Oktober 2007
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