Know-how

Matrix-Coaching: Lebensberatung mit To-do-Rezept

Wer Zukunftsweichen stellen will, muss erst in die Vergangenheit zurück und sich fragen: Wer bin ich, und wo komme ich her? Peter-W. Gester entwickelte für diese Biografie-Arbeit ein komplexes Verfahren mit ungewöhnlichen Instrumenten.

'Viele Coachings sind darauf fokussiert, den Klienten schneller und besser zu machen, ohne die Lebensmuster des Klienten ausreichend zu beachten', meint Peter-W. Gester. Der heute in den Vogesen ansässige, dem Heidelberger Systemiker-Kreis entstammende Coach glaubt: 'Wir sollten im Coaching die biografischen Gesamtkunstwerke unserer Mandanten stärker berücksichtigen und untersuchen: Was ist die individuelle Lebenspartitur? Was ist der geheime Bauplan, nach dem der Einzelne agiert?' Denn nur, wenn der Coachee seinen Hintergrund vergegenwärtigt habe, wisse er, welche Skills und Verhaltensweisen er sich überhaupt dauerhaft aneignen könne. Und nur vor dem Background seiner Biografie könne er herausfinden, welchen Weg er künftig einschlagen solle.

Zielrichtung, Methoden und Vorgehensweise: Sinnsuche per Discogramm und Co.

Um das Big Picture des bisherigen Lebens sichtbar zu machen, hat Gester daher das Matrix-Coaching entwickelt. Es soll bei der Suche nach Sinn und Übersicht helfen und vor allem die Entscheidung großer Berufs- und Lebensfragen – z.B.: Soll ich ein paar Jahre ins Ausland gehen? – ermöglichen. Dies geschieht über eine Reihe bildgebender Verfahren, die den Intellekt fordern, Emotionen ansprechen und auf teilweise ungewöhnliche Weise 'das nicht mehr Sichtbare wieder zum Vorschein bringen'. Einige Beispiele aus dem prallen Methodenkoffer:
1. Das Photogramm illustriert mit Fotos und Videos die Familiendaten (Genogramm) des Klienten, dessen aktuelles Beziehungsgeflecht und dessen Arbeitsumgebung.
2. Das Kartogramm zeigt mit Stadt-, Wander-, Weltkarten etc. an, wo sich der Coachee in welchem Lebensabschnitt aufhielt.
3. Das Meta-Genogramm bildet ab: Was hat sich an den verschiedenen Orten des Klienten und seiner Vorfahren damals kulturell ereignet? Welche Ideen wurden entwickelt?
4. Das Discogramm zeigt: Welche Interpreten hat der Coachee in welcher Lebensphase und wobei gehört? Was hat er dabei empfunden?
5. Der Curious Cluster Case ist eine Sammlung von Dingen, mit denen der Coachee besondere Erinnerungen verknüpft: abgerissene Konzertkarten, alte Fußballschuhe, Talismane, Muscheln, abgebissene Lebkuchenherzen …

All diese und weitere Materialien wie Tagebücher, Vermögensaufstellungen etc. trägt der Klient bereits vor der ersten Coaching-Sitzung zusammen. Dabei dient ihm eine CD mit Erläuterungen und Beispielen als Hausaufgabenhilfe. Die Aufbereitung geschieht so, dass das Material im Coaching auf den Boden gelegt oder an die Wand geheftet und mit einem Blick erfasst werden kann. 'So werden auf einen Schlag Dinge deutlich, die vorher unklar waren', verspricht Gester.
Auf Basis der biografischen Matrix entwirft der Coach dann mit seinen Klienten Zukunftsszenarien, z.B. mittels des hypno-systemischen Verfahrens der Symbolisation – wobei dem Klienten die zuvor erfolgte Auseinandersetzung mit dem eigenen Hintergrund bei der Entwicklung der symbolischen Lösungsbilder dienlich sein soll.

Beratung mit Ratschlag

Lösungen gibt es aber auch auf andere, in der Coaching-Debatte derzeit heftig diskutierte Art und Weise: Gester rät dem Coachee, was er tun soll. Das reicht von der Empfehlung zu promovieren, bis zum Rat, seine Finanzen zu regeln. 'Ich selbst hätte mich über manchen Rat in meiner Laufbahn gefreut', begründet Gerster sein Vorgehen.

Eckdaten: Termine, Kosten ...

Zum Kennenlernen der Methode gibt es Workshops (Kosten: 360 Euro); im Oktober 2009 soll erstmals auch eine umfangreiche Weiterbildung für Coachs starten. Die Interessenten erwartet echte Arbeit: Die vorab durchzuackernde CD umfasst 540 Dokumente, die Matrix-Erstellung kann nochmal über 30 Stunden beanspruchen. Aber, so Gester: 'Wer eine große Lebensfrage hatn, muss sich gut vorbereiten, sonst wird's schnell unseriös oder einfach Pfusch, Husch, Nusch.'


Autor(en): (Svenja Gloger)
Quelle: Training aktuell 03/09, März 2009
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