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MUWIT `98: Informationstreffen hält Weiterbildner in Bewegung

Die Qual der Wahl kündigte Timo Taubitz, Projektleiter der MUWIT `98, den circa 200 Teilnehmern des 2. Deutschen Weiterbildungskongresses vom 24. bis 25. März 1998 im Wiesbadener Kurhaus zu recht an. Denn die Veranstaltung des Institute for International Research (I.I.R.) bestand aus insgesamt fünf zeitgleichen Vortragsreihen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das Anstrengende daran: Alle beschäftigten sich mit aktuellen Themen der betrieblichen Weiterbildung. So hat sich mancher der Krongreßbesucher - fast alle kamen von der Unternehmensseite - mit der Entscheidung zwischen Themen wie Veränderungsmanagement, neue Medien, Bedarfsermittlung und Controlling, Outsourcing oder Führungskräfteentwicklung schwergetan. 'Vortragsreihen-Hopper' waren keine Seltenheit - ein Zeichen dafür, daß auch den Weiterbildnern beim lebenslangen Lernen der Stoff so schnell nicht ausgehen wird.
Und noch ein Punkt wurde deutlich: Die steigende Bedeutung der Weiterbildung sorgt nicht nur für gesteigerte Wertschätzung der Bildungsverantwortlichen, sie bringt auch erhöhte Anforderungen mit sich. So ernannte Dr. Lothar Späth, ehemaliger baden-württembergischer Ministerpräsident und Vorstandsvorsitzender der Jenoptik AG, in seiner unterhaltsamen und gleichsam eindringlichen Fortschrittsrede, die Personaler und Weiterbildner zu den 'Sozialkitt'-Verantwortlichen im Unternehmen. Ihre Aufgabe sei es, ein Heer von Individualisten nicht länger mittels Regeln, als viel mehr durch Persönlichkeit zu führen. Der Personaler im Unternehmen sei gleichzeitig Theologe, Fastenprediger, Aufpasser und Krankenschwester.
Dieser 'Stellenbeschreibung' widersprach Reinhard Leiter, Leiter des zentralen Bildungswesens bei der Allianz AG, in der zweiten Plenumsrede: 'Krankenschwestern sind wir nicht. Es ist auch nicht unser Job, die Mitarbeiter der Führungskräfte zu motivieren.' Das Kerngeschäft der betrieblichen Weiterbildung sieht aber auch er bei den immateriellen Werten wie Vertrauen, Sinn oder Selbstverantwortung.
Handfeste Kriterien für die Qualifikation der betrieblichen Weiterbildner nannte Wolf-Rainer Lowack, Leiter der Weiterbildung bei der BASF AG, in seinem Vortrag über die neue Rolle der Weiterbildung. Gefragt seien künftig Prozeßberatung, Supervision und Organisationsentwicklung. Ziel müsse sein, die Führungskräfte zum Problemlösen zu befähigen.
Die Bedeutung der Weiterbildung als Prozeß - von der Bedarfsanalyse bis hin zur Transfersicherung - unterstreicht auch die Entscheidung der Jury bei der Vergabe des Weiterbildungs-Awards ` 98, den das I.I.R. gemeinsam mit der Fachzeitschrift Wirtschaft & Weiterbildung ausgeschrieben hat: Die Auszeichnung ging an die Remscheider Firma Vaillant für ein Excellence-Programm nach dem Vorbild des Modells der European Foundation of Quality Management.
Die strategische Ausrichtung spricht dafür, daß die Weiterbildung 'weg vom Katzentisch - rein in Entscheidungprozesse' gelangt, wie auf dem Kongreß ein abendliches round table-Gespräch forderte. Gelingen kann das nur, wenn die Bildungsverantwortlichen im Unternehmen ihre Leistung selbstbewußt verkaufen. Da waren sich alle einig. Diskutiert wurde das Selbstbild des Weiterbildners aber in anderer Hinsicht: Wem fühlt sich denn nun der Weiterbildner als Entscheider mehr verantwortlich, der Geschäftsführung oder dem Mitarbeiter? In welche Richtung sich die einzelnen Unternehmen bei dieser Frage bewegen, wird sicherlich auch noch auf der MUWIT `99 ein Thema sein.
Autor(en): (abi)
Quelle: Training aktuell 04/98, April 1998
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