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Lernen aus der Natur: Unternehmen sind wie Vogelschwärme

Unternehmen können von Zugvögeln lernen. Dies zumindest legen neue Ansätze nahe, die im Bereich Organisationsentwicklung diskutiert werden.

So beschäftigt sich z.B. Dr. Volker Stein vom Lehrstuhl für Personalmanagement an der Uni Saarbrücken in einem Beitrag der Zeitschrift SEM/Radar (1/2003, ISSN 1610-8914) mit der Analogie von Vogelschwärmen und Unternehmen. Wie ein Schwarm, so Stein, ist auch ein Unternehmen ein aus vielen Einzelteilen bestehendes Gebilde, in dem eine gewisse Fliehkraft herrscht. Das Bemerkenswerte an den Schwärmen: Sie sind extrem flexibel, können sich sehr schnell umformieren, um Hindernissen auszuweichen, - und zwar ohne zentrale Lenkung, denn der Leitvogel wechselt ständig. Die Vögel nutzen die Vorteile der Gemeinschaft (z.B. im Windschatten fliegen), um ihr individuelles Ziel (das Winterquartier) zu erreichen und halten sich an drei Verhaltensregeln. Sie achten stets darauf, was ihre Nachbarn tun, beobachten aufmerksam den Schwarmmittelpunkt und passen ihr Verhalten dem der anderen an.

Übertragen auf Unternehmen heißt das: Diejenigen, die Freiräume und Ziele bieten, können der Tendenz sinkender Loyalität von Mitarbeitern entgegensteuern. Wichtig ist, dass Mitarbeiter sich von ihren Kollegen durch Kernkompetenzen abgrenzen können (Kollisionsvermeidung), dass jeder Mitarbeiter sich in puncto Tempo und Richtung an seinen Kollegen orientiert (Bewegungsanpassung), und dass alle eine zentrale Vision teilen (Mittelpunktswahrung).

Neben Stein ist auch die Veränderungsberatung ChangeWorks, Wiesbaden, auf den Schwarm gekommen. Ihre Multimediaanwendung 'Schwarmintelligenz' ist für den Einsatz in Großgruppen gedacht. Ziel ist es zu zeigen, dass jeder ein Teil des Ganzen ist und jede Aktion das Gesamtergebnis beeinflusst. Kernstück der Anwendung ist eine Kamera, die die Bewegungen im Tagungsraum erfasst und in Bewegungen auf der Leinwand umsetzt. U.a. lassen sich so Flüge simulieren, bei denen die Gruppe zum 'Schwarm' wird und gemeinsam Ziele anfliegt. Die Personen in einer Raumhälfte kontrollieren den Flug horizontal, die anderen vertikal. Das Verblüffende: Ohne zentrale Steuerung gelingt es ihnen, den Flug zu koordinieren und die angepeilten Ziele zu erreichen.
Autor(en): (aen)
Quelle: Training aktuell 09/03, September 2003
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