Reflexion

Kolumne
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Abschalten, um durchzustarten

Nichtstun bedeutet Rückschritt – davon sind auch viele Weiterbildungsprofessionals überzeugt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Denn wahre Geistesblitze kommen nicht beim fokussierten, sondern beim diffusen Denken. Müßiggang hilft also dabei, erfolgreich zu sein.

Dass Stagnation Rückschritt bedeutet, weil sich die Erde weiterdreht, gilt nicht nur unter Trainerinnen, Beratern und Coachs als ausgemachte Tatsache. Unsere Klientinnen und Klienten stehen an einem Punkt, an dem sie Unterstützung suchen, um von einem Level aufs nächsthöhere zu gelangen. Das Gleiche gilt aber auch für uns selbst. Haben nicht die zwei vergangenen Jahre gezeigt, dass wir selbst disruptiv sein müssen, um die Krise zu überwinden und im Markt zu bestehen?

Wenn da bloß nicht das Problem mit den Geistesblitzen wäre, die wir nicht nur für unsere Kunden, sondern ebenso für uns selbst brauchen. Denn die wachsen nicht auf Bäumen und fallen uns auf den Kopf – wie angeblich der Apfel, der Isaac Newton auf die Idee mit der Gravitation gebracht hat. Doch auch wenn die Paradiesfrucht Legende sein sollte, können wir aus ihr etwas lernen: Newton kam die Eingebung beim Nichtstun. Ähnlich heißt es von Archimedes, ihm sei die Idee mit dem Auftrieb in der Badewanne gekommen.

Fokussiertes Denken bringt keine Geistesblitze

Was daran so besonders ist? Beide arbeiteten nicht im Labor, starrten nicht durchs Fernrohr, experimentierten nicht und quälten sich nicht mit Formeln herum. Sie waren im Modus des sogenannten diffusen Denkens. Konzentration führt zu konkreten Optimierungen, aber nur sehr selten zu genialen Einfällen, mit denen wir bei uns selbst oder in unseren Engagements einen deutlichen Entwicklungssprung auslösen. Ein wahrer Meister des Diffusen war übrigens Leonardo da Vinci. Was diesem Universalgenie nicht alles eingefallen ist: Hubschrauber, Taucheranzüge und vieles mehr.

Sie fragen sich, wie Sie das anstellen sollen? Einfach hinsetzen und abwarten, was so kommt. Und wenn nichts kommt? Dann war eben heute nichts dabei. Wer sich unter Druck setzt, denkt fokussiert und nicht diffus. Es geht aber auch aktiver. Als ich einen CEO in ein Kloster brachte, weil wir gedanklich feststeckten, kam ihm dort die zündende Idee, wie seine Reorganisation aussehen sollte. Ich selbst gehe gern ins Museum, in einen Park oder treibe Sport, um mich in den diffusen Modus zu versetzen.

Kreativität und freies Denken sollten Teil eines verlässlichen Alltagsrituals sein.

Muss das spontan sein? Kann es, aber es ist klug, sich die Zeit dafür bewusst zu nehmen. Kreativität und freies Denken sollten Teil eines verlässlichen Alltagsrituals sein. Für mich kann diese Disziplin zur Freiheit auch mal bedeuten, zwei Stunden nichts zu tun. Etwa donnerstagsmittags, wenn die Energiekurve sowieso nach unten zeigt. Das Fantastische daran: Unser Gehirn arbeitet dennoch und kommt auf Ideen, die sonst im Dunkeln geblieben wären.

Schlau betrieben, ist Müßiggang die Basis für die gedanklichen Durchbrüche, mit der wir unsere Klientinnen und Klienten sowie uns selbst auf neue Erfolgsplateaus befördern. Manchmal müssen wir also abschalten, um durchzustarten.

Der Autor: Der Strategie- und Veränderungsexperte, Vortragsredner und Autor (jüngst: „Die Berater-Bibel“) Matthias Kolbusa berät Konzerne wie Daimler und die Telekom sowie High-Performance-Mittelständler. Als Kopf und Inhaber von Consulting Mastery teilt er sein Wissen in einer Online-Akademie, bei Live Events und in Vier-Augen-Coachings mit seinen Kolleginnen und Kollegen. Kontakt: kolbusa.de

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