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Die Trends beim Lernen: Es wird immer informeller

Wohin geht die Reise im Bereich Lernen? Welche Trends zeichnen sich ab? Und welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen? Der renommierte US-Lernexperte Elliott Masie hat die seiner Meinung nach wichtigsten 'Learning Trends' zusammengetragen.

1) Fingertip Knowledge

Immer mehr Lerner nutzen Google, Yahoo sowie andere Internetportale und Suchmaschinen, um sich Infos zu beschaffen und Wissen anzueignen. Wissen ist quasi auf Fingertipp verfügbar. Im Vordergrund steht nicht mehr, sich möglichst viel zu merken, vielmehr ist die Fähigkeit gefragt, durch Eingabe passender Schlüsselwörter Zugang zu den richtigen Informationen zu bekommen.

2) Podcasting and Informal Learning

Den Lernenden kommt es immer mehr darauf an, dass die Lernmodule kurz und medienbasiert sind. Ein 'Sound Instructional Design' wird das Lernen in der Zukunft bestimmen: Den Lernenden werden Tools an die Hand gegeben, in die auditive Elemente eingebunden sind. Zudem sollte informelles Lernen gefördert werden, denn Social Networking wird von vielen Lernern bevorzugt, um sich Wissen anzueignen.

3) Human Capital Management

Lernen muss mehr mit den Bereichen des Human Capital Managements verbunden sowie an diesen strategisch ausgerichtet werden. Wichtig sind u.a. Verknüpfungen zum Kompetenzmanagement und der Karriereberatung von Mitarbeitern.

4) NextGen and Silver Workers

Die so genannten Silver Workers, sprich Mitarbeiter, die 50 Jahre und älter sind, werden in den kommenden Jahren die Mehrheit stellen. Ihre Arbeits- und Lernweise unterscheidet sich stark von der jungen Generation, also jenen Mitarbeitern zwischen 18 und 26 Jahren. Es gilt, sich den Lernbedürfnissen und -anforderungen dieser beiden sehr verschiedenen Generationen anzupassen sowie die Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit die beiden Generationen voneinander lernen können.

5) Wikis, Blogs & Communities of Practice

Unternehmen sind zunehmend bemüht, lösungsorientiertes Arbeiten und Lernen zu unterstützen. Für diesen Zweck nutzen einige von ihnen das Wissen und die Erfahrungen ihrer Mitarbeiter und experimentieren mit Wikis (gemeinsam verfasste Dokumente), Blogs (interaktive Online-Journale) und Communities of Practices (Online-Gemeinschaften, die gemeinsam an Themen arbeiten). Letztlich müssen Wege gefunden werden, diese Formate in die Lernmodelle von Unternehmen zu integrieren.

6) Globalizing und Localizing Learning

Die Globalisierung stellt Unternehmen insbesondere bei der Gestaltung und Lieferung der Lerninhalte vor neue Herausforderungen: Die Unternehmen sind gefordert, Lerninhalte auf globaler Ebene möglichst schnell zugänglich zu machen. Es gilt aber auch, den Content zu übersetzen und ihn den jeweiligen lokalen Bedürfnissen anzupassen.

7) Content Management (Rapid & Discoverable)

Ein Problem ist, dass die Menge an Lerninhalten immer mehr zunimmt. Es ist zu beobachten, dass Content-Management-Systemen inzwischen fast mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als Learning-Management-Systemen. Die Herausforderung: Der Content muss für die Lernenden auffindbar gemacht werden.

8) Metrics, Assessment, Impact and Beyond ROI

Die Diskussion um die Messbarkeit von Trainings verändert sich. Unternehmen legen immer weniger Wert darauf, den ROI (Return on Investment) von Qualifizierungsmaßnahmen zu errechnen. Schließlich kann die Effektivität von Trainings nicht in einer einzigen Zahl ausgedrückt werden. Stattdessen legt man sein Augenmerk auf Ansätze, mittels derer festgestellt werden soll, welchen Effekt das Lernen auf die Geschäftsabläufe hat. Metrics (bedeutet soviel wie Maßeinheiten), Assessment und Impact werden die Schlüsselwörter der kommenden Jahre sein.

Lerntrends in Deutschland - Was Experten prophezeien und fordern

Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft:

'Der Haupttrend liegt ganz klar im Paradigmenwechsel zum lebenslangen Lernen. Zudem werden künftig der Zugang zu Wissen und die Verwertung von Wissen entscheidende Erfolgsfaktoren für die berufliche Entwicklung sein. Die Eigenverantwortung für die berufliche Weiterbildung steigt, und eine Mehrfachbelastung (mehrere Jobs, Familie und Beruf etc.) erfordert die Flexibilisierung von Lernzeiten. Lernen findet außerdem zunehmend individuell, vernetzt und virtuell statt. E-Learning wird daher stetig an Akzeptanz gewinnen. Wichtig ist dabei, eine digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, also die Spaltung in 'Onliner' und 'Offliner'.'

Prof. Dr. Andrea Back, Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen:

'Das Internet wird zunehmend zur Alltagstechnologie, so wird auch Lernen über das Internet als immer weniger bedrohlich empfunden. Während sich solche Ängste reduzieren, bleibt in der Haltung der Lernenden aber die Skepsis, durch Online-Lernen von Gemeinschaft und sozialer Interaktion abgeschnitten zu sein. Das informelle Lernen im Arbeitsleben zu unterstützen, gehört indes zu den Top-Lerntrends. Die Übergänge zu Wissensmanagement und internetbasierter Zusammenarbeit sind dabei fließend. Unübersehbar: Angesichts der Vielfalt von Lernmodi und der Fülle an Informationen wächst der Leidensdruck der Lernenden, das Passende auszuwählen. Hier sind entsprechende Kompetenzen des Wissensarbeiters dringend nötig, was von den Unternehmen aber bislang verkannt wird. Die mit Web 2.0 bezeichneten Nutzungsformen des Internets wie Podcasts und Weblogs sind meiner Meinung nach überbewertet - zumindest was das strukturierte Lehren und Lernen betrifft.'

Andreas Haderlein, Trendforscher und Referent am Zukunftsinstitut, Kelkheim, und Autor der aktuellen Studie 'Marketing 2.0':

'Meiner Meinung nach ist Podcasting eines der Schulungs- und Weiterbildungsinstrumente der Zukunft. Aus jüngsten Umfragen geht hervor, dass mehr als zwei Drittel der Podcast-Abonnenten das Medium zur Weiterbildung nutzen. Zahlreiche Dienstleister finden sich mittlerweile auf dem Markt des audiobasierten E-Learning. Sie bieten nicht nur Podcasts zur privaten Weiterbildung - für interne Schlungszwecke kann MP3 ebenfalls mehr sein als Musik aus dem iPod. So gibt es z.B. bereits ein Unternehmen, das Podcasting als Schulungsinstrument für Callcenter-Mitarbeiter einsetzt.'

Prof. Dr. Peter Kruse, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung nextpractice GmbH, Bremen, und Honorarprofessor für Allgemeine Organisationspsychologie an der Universität Bremen:

'Die Welt des Lernens befindet sich in einem dramatischen Wandel. Das Internet führt zur Demokratisierung von Wissen und zur umfassenden Verknüpfung von Informationen. Die Definition des Experten ändert sich grundlegend. Es wird nicht derjenige zum mächtigen Knotenpunkt, der Wissen und Informationen besitzt, sondern der, der in der Lage ist, Wissen und Informationen zu bewerten. Die explodierende Komplexität macht es immer wichtiger, das Sinnvolle vom Unsinnigen zu unterscheiden. Ich erlebe gegenwärtig eine zunehmende Abkehr von der theoretischen Konzeptvermittlung. Management-Trainings werden verstärkt daran gemessen, inwieweit sie in strategische Unternehmensprozesse eingebunden sind und einen realen Wertschöpfungsbeitrag liefern. Es geht mehr um die Vermittlung von Haltungen und Fertigkeiten als um die Vermittlung von Handlungsanleitungen und Fakten. Das Verständnis dynamischer Systeme und die Interaktion in intelligenten Netzwerken sind dabei unverzichtbare Schlüsselkompetenzen.'

Prof. Dr. Heinz Mandl, Leiter des Instituts für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München:

'Eine Fülle neuer Erkenntnisse aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen wie Neurowissenschaften, Psychologie und Bildungsforschung legt nahe, die Gestaltung von Bildungs- und Lernprozessen grundlegend zu reformieren. Notwendig ist die Entwicklung einer neuen Lernkultur, orientiert an gemäßigt konstruktivistischen Ansätzen, für die aktives, konstruktives, selbst gesteuertes und kooperatives Lernen in der Lebensspanne grundlegend sind. Nur wenn es uns gelingt, ein Bildungssystem zu schaffen, das innovative und kreative Leistungen stimuliert, besteht die Chance, im internationalen Wettbewerb um knappe Güter unsere kulturellen und sozialen Standards zu erhalten.'
Autor(en): (pwa)
Quelle: Training aktuell 12/06, Dezember 2006
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