Praxistest

'Creationary': Die lustige Suche nach dem Lerneffekt

Um die Wette bauen und die nachgebildeten Begriffe erraten – das für den Lernspielpreis nominierte 'Creationary' überträgt ein bekanntes Spielprinzip in die Lego-Welt. Ob die bunten Steine auch bei Erwachsenen die Kreativität auf Trab bringen, hat Training aktuell im Praxistest geprüft.

Das Angebot: Der Name ist Programm: Mit 'Creationary' aus dem Hause Lego sollen Spieler kreativ werden. Und das gleich doppelt, denn während die einen mit den bunten Steinen Gegenstände bauen, müssen die anderen diese schnellstmöglich erraten. Im einen Fall geht es um Gestaltung und Improvisation. Im anderen Fall sind Empathie und Phantasie gefragt. Im Mai 2010 wurde 'Creationary' für den Deutschen Lernspielpreis nominiert, den die Zeitschrift 'spielen und lernen' gemeinsam mit der Nachhilfeschule Studienkreis vergibt. Zwar berücksichtigt die Jury nur Lernspiele für Kinder, das Lego-Produkt tritt jedoch in der nach oben offenen Altersklasse 'ab neun' an. Der Praxistest soll zeigen, ob die bunten Steine auch im Seminar mit Erwachsenen hilfreich sind – zumal das Spiel mit rund 35 Euro eine günstige Alternative zu hochpreisigen Trainingsspielen ist.

Der TA-Check: Aus den möglichen Regeln – das Spiel gibt vier Varianten vor – wähle ich die Opion 'Teamspiel'. Die sechs Testkandidaten sollen in zwei Gruppen gegeneinander antreten. Pro Team baut jeweils ein Spieler den Gegenstand nach, den er zuvor auf einer Karte gezogen hat, die anderen raten. Die Gruppe, die zuerst ihren Begriff erkennt, bekommt einen Punkt. Beide Gruppen legen mit sichtlichem Vergnügen los. Besondere Bemühungen um geordnete Kommunikation oder strategisches Vorgehen kann ich nicht beobachten. Vielmehr beginnen beide Teams schon Begriffe aus der erwürfelten Kategorie aufzuzählen, bevor der erste Stein gesetzt ist. Kreativität äußert sich in der teils ungewöhnlichen Verwendung der Spielzeug-Bausteine: Während die einen versuchen, die Vorlagen detailgetreu nachzubauen, beschränken sich andere auf symbolische Andeutungen. So lässt sich die 'Tankstelle' mit Zapfsäule und Schlauch gut erkennen. Die ziemlich abstrakt geratene 'Kokosnuss' hingegen erkennen die Mitspieler nur anhand der Farbkombination Weiß-Braun. Manche Spieler scheinen mit den Steinen eher zu malen als zu bauen: Der 'Seestern' etwa wird nur in seinen Umrissen nachgezeichnet, blaue Linien versinnbildlichen das Wasser.

Mit steigendem Schwierigkeitsgrad – in jeder der drei Runden kommen die entsprechend vorsortierten Karten zum Einsatz – dauern die Runden länger. Fortschritte in der Zusammenarbeit finden kaum statt. Allerdings gehen die Teilnehmer mutiger zu Werke, sowohl was das Raten angeht, als auch das Bauen. Dabei lösen sich die Spieler immer mehr vom engen Prinzip 'Nachbilden' und greifen zunehmend zu assoziativeren Verfahren.

Der TA-Eindruck: Auf meine Frage, ob das Spiel Spaß gemacht hat, antwortet die Testgruppe im Chor mit 'ja'. Weniger Einigkeit herrscht bei der Frage nach dem Lerneffekt. Man könne sich nicht absprechen und seine Strategie nicht verbessern, moniert eine Spielerin. Eins loben jedoch alle: Die Notwendigkeit, schnell und mit nicht immer geeigneten Mitteln zu arbeiten, macht mutiger und kann Blockaden lösen. Mein Eindruck ist, dass sich das Spiel hervorragend als Warm-up für den Trainingsbeginn eignet, weil sich die Teilnehmer schnell und auf unkonventionelle Weise kennenlernen. Zum Spielprinzip von 'Creationary' gehört auch, die Regeln nach eigenem Gusto zu ändern – eine Option, die im Test nicht genutzt wurde. Für Kreativtrainings besteht also noch Ausbaupotenzial.

TA-Fazit: Toller Aufwärmer. Den didaktischen Nutzen muss man zwar suchen, aber das macht Spaß.

Creationary. Lego Group, Billund, 2010, 34,99 Euro.
Autor(en): (Sascha Reimann)
Quelle: Training aktuell 08/10, August 2010
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