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ASTD-Kongress: Optimismus trotz Krise

Zwar kamen zum weltgrößten Treffen der Trainer diesmal deutlich weniger Aussteller und Besucher als 2008 – dennoch war von Krisenstimmung auf dem ASTD-Kongress in Washington keine Spur. Die Tagung machte Mut, sich den Herausforderungen zu stellen und neue Wege in der Weiterbildung einzuschlagen. Training aktuell mit den zentralen Kongress-Botschaften.

'Yes we can' war das Feeling, das der diesjährige Kongress der American Society for Training and Development (ASTD) vermittelte; die Aufbruchstimmung, die Barack Obama verkörpert, machte sich auch unter den Ausstellern, Vortragsrednern und Trainern breit, die sich vom 31. Mai bis 3. Juni 2009 zum größten Branchentreff in Washington einfanden. Und das, obwohl der Kongress – krisenbedingt – mit 8.000 Besuchern (gegenüber 10.000 im Vorjahr) und 300 Ausstellern (Vorjahr: 400) wieder etwas kleiner ausgefallen war.

Doch wie die deutschen Kongressteilnehmer berichten: Die rund 300 Vorträge und Workshops gaben zahlreiche Anregungen, wie Unternehmen mit Hilfe der Weiterbildungsexperten die aktuellen Herausforderungen angehen können, sie machten Mut und weckten Lust, die Ärmel hochzukrempeln. 'Ich habe den Eindruck, die Amerikaner gehen viel lockerer mit der Krise um als wir Deutschen§, bemerkte z.B. Dr. Paul Schürmann von der Munich Leadership Group. 'Statt zu lamentieren, überlegen sich die Trainer, wie sie als strategischer Partner der Unternehmensführung Werte für das Unternehmen schaffen können.'

'Value added' (= Wertschöpfung) und 'Impact' (= Wirkung, Impuls) waren mithin wichtige Schlagworte auf dem Kongress. Weitere zentrale Botschaften waren:
1. Mit weniger Mitteln mehr leisten. Trainer wie PE´ler müssen von nun an mit weniger Geld und Ressourcen auskommen; gleichzeitig aber wird von ihnen mehr verlangt – nicht zuletzt, weil die Talent-Management-Aktivitäten verstärkt werden müssen. Das bedeutet, dass Lernexperten innovative Lernformate jenseits des klassischen Seminars auftun müssen.
2. Informelles Lernen fördern. Insbesondere gilt es, das informelle Lernen zu unterstützen. So sollte das Potenzial von Web-2.0-Anwendungen, Wikis, Blogs und Social-Bookmarking-Portalen ausgeschöpft und für die Mitarbeiterentwicklung genutzt werden, wie ASTD-Präsident Tony Bingham betonte. Auf dem Kongress hob er hervor: 'Soziales Lernen und Wissensvernetzung prägen die Zukunft.'
3. In Echtzeit lernen lassen. Mit der Bedeutung des informellen Lernens wächst zugleich die Bedeutung des Learning on-the-job. Bereits jetzt finden 70 Prozent des Lernens on-the-job statt, 20 Prozent entfallen auf Mentoring und Coaching und nur zehn Prozent sind formales Lernen.
4. Auf Emotionen bauen. Eine typisch amerikanische Botschaft kam vom Disney Institute, das Trainingskonzepte mit Entertainment verknüpft und damit nun auch den deutschen Markt erobern möchte. 'Wir wollen eine emotionale Verbindung schaffen', sagte PR-Manager Terry Brinkoetter. Ein Ansatz, der von deutscher Seite unterstützt wird: 'Wenn Lernen nicht mit Emotionen verknüpft ist, bleiben wir beim Wissenslernen stehen und kommen nicht zum Verhaltenslernen', gab Trainer Paul Schürmann zu bedenken.
5. Den ROI steigern. Zu den Dauerbrennerthemen 'ROI' und 'Trainingstransfer' bemerkte Robert Brinkerhoff, emeritierter Professor der Universität Michigan: 'Entscheidend für den ROI sind die bislang zu sehr vernachlässigten vor- und nachgelagerten Phasen einer Trainingsmaßnahme.' Vor- und Nachbereitung würden jeweils zu 40 Prozent über den Bildungserfolg entscheiden, die eigentliche Maßnahme nur zu 20 Prozent.
6. International werden. Die Internationalisierung der Unternehmen geht weiter, damit müssen sich auch Trainer international orientieren, wenn sie Schritt halten wollen. Zumindest sollten sie den internationalen Austausch suchen und dazu Gelegenheiten wie den ASTD-Kongress nutzen, machte ASTD-Vizepräsidentin Jennifer Homer schließlich Werbung in eigener Sache.

Autor(en): (Svenja Gloger)
Quelle: Training aktuell 07/09, Juli 2009
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