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Das Training von Meistern meistern

Qualifizierungsoffensive bei DaimlerChrysler

Wie schult man 800 Meister eines PKW-Werkes so praxisgerecht wie möglich in der Gesprächsführung? Wie kommen externe Trainer und interne Partner zu einem adäquaten Trainingszuschnitt für diese Zielgruppe? Ohne Aufwand geht`s nicht, wie das Beispiel des Sindelfinger Werkes von DaimlerChrysler beweist.

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'Meister, wir sollten uns mal kurz unterhalten!' Mit leicht gesenktem Kopf steht der Arbeiter vor dem Meister, der gerade etwas in eine Liste einträgt. Laut geht es zu in der Montagehalle. Ein denkbar schlechter Ort für wichtige Gespräche. Dennoch will der junge Mann sein Anliegen sofort vorbringen. Er brauche eine Verlängerung seines Urlaubs von drei auf sechs Wochen, 'unbedingt'. Der Meister verzieht keine Miene, nur seine Stimme klingt eine Spur heiserer: 'Das geht nicht. So eine Verlängerung könnte ich keinem in der Gruppe genehmigen.'

Eigentlich ist das Gespräch damit beendet. Aber der Jüngere lässt nicht locker. Der Gruppensprecher habe den Urlaub bereits genehmigt, alles sei längst geplant und organisiert: 'Da kann ich jetzt nicht mehr zurück.' Der Meister meldet Zweifel an und fragt genauer nach. Es zeigt sich, dass nichts organisiert ist außer der Reise selbst. Da wechselt der Arbeiter die Tonlage: 'Meister, ich tu so viel für Dich. Dann tu jetzt bitte auch mal was für mich. Ansonsten war es das letzte Mal, dass ich zur Samstagsschicht gekommen bin.' Für eine Sekunde platzt dem Meister der Kragen: 'So nicht, ja?' Aber sofort fängt er sich wieder und bestellt den Kollegen für später in sein Büro.

Meister und Mitarbeiter im Gespräch - eine (fast) alltägliche Szene in den großen deutschen PKW-Werken der DaimlerChrysler AG. Freilich eine von Filmprofis nachgestellte Szene: Das Streitgespräch über die Urlaubsverlängerung gehört zu einem von sechs Filmen, die DaimlerChrysler mit Berufsschauspielern und an Originalschauplätzen im Werk Untertürkheim hat drehen lassen. Die Filme dienten als Schulungsmaterial und waren Bestandteil eines ehrgeizigen Projektes: Von 2002 bis 2004 ließ der Automobilkonzern unternehmensweit all seine Meister schulen.

Extras:

  • Von Vergabegesprächen mit Lieferanten über Angstzustände von Mitarbeitern bis hin zu Krankenrückkehrgesprächen - typische Gesprächsanlässe für Meister
  • Von der Trainerauswahl bis zu Review-Gesprächen - die sieben Meilensteine des Qualifizierungsprogramms
  • Das Trainingsdesign - die wichtigsten Inhalte und Methoden im Überblick

Autor(en): Dr. Thomas Hake
Quelle: managerSeminare 94, Januar 2006, Seite 68 - 74 , 25377 Zeichen

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