Management

Projektmanagement

Impulse geben - Prozesse gestalten

Projektmanagement ist nicht neu, es wird nur schwieriger. Immer komplexere Aufgabenstellungen sollen mittels Projektmanagement gelöst werden. Kenntnis und Anwendung des operativen Instrumentariums reichen allenfalls noch bei Routineprojekten. Innovative Pionierprojekte fordern hingegen geistige Flexibilität und Prozeßverständnis aller Beteiligten.
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Projektmanagement? Das Thema ist nicht neu. Bereits der Handwerker im Mittelalter war der Prototyp des Projektleiters. Er mußte Kunden akquirieren, Aufträge individuell aushandeln, das notwendige Material beschaffen, seine sowie die Arbeit der Gesellen organisieren und eine pünktliche Lieferung zum vorab vereinbarten Preis sicherstellen. Wurden bei dieser Arbeit einmal die speziellen Wünsche des Kunden nicht beachtet oder war dieser mit dem Ergebnis unzufrieden, gab es einfach kein Geld. Qualitätsnormen nach DIN waren noch nicht erfunden, die Qualität definierte allein der Kunde. Und mit Listenpreisen konnte unser Handwerker auch nicht argumentieren.

Kurz: Seine tägliche Arbeit entsprach in weiten Teilen dem, was nach allgemeingültiger Definition für Projektmanagement als zeitlich befristetes, nicht routinemäßig abzuwickelndes, risikoreiches, häufig komplexes und zielgerichtetes Vorhaben mit einem großen Neuigkeitsgehalt bezeichnet werden kann. Hätte man diesem Handwerker damals gesagt, er betreibe Projektmanagement, er hätte höchstwahrscheinlich verständnislos den Kopf geschüttelt und entgegnet: „Nein, nein, ich produziere und verkaufe lediglich Waren.” Warum also ist ein so altes Thema heute wieder (oder immer noch?) hochaktuell?

Projektmanagement ist aktuell, weil sich die Industrienationen ganz allmählich von der Massenproduktion der vergangenen Jahrzehnte als Wachstumsmotor ihrer Volkswirtschaften verabschieden (müssen). Diese Massenproduktion ist Ursache für unseren heutigen Wohlstand, weil sie es erst ermöglicht, hochkomplexe Güter und Dienstleistungen in bis dato ungeahnter Vielfalt so preiswert zu produzieren, daß sie für Durchschnittsverdiener erschwinglich werden. Erreicht wird dies über eine Zerstückelung des komplexen Arbeitsprozesses, der wiederum durch eine straffe, hierarchische Unternehmensorganisation zusammengehalten wird. Der zunehmende Wohlstand bewirkt allerdings auch eine zunehmende Zersplitterung des für die Herstellung eines Produkts benötigen Know-hows. In einer stark arbeitsteiligen Gesellschaft leidet das Verständnis für die Ganzheitlichkeit von Arbeitsprozessen, das sich in unserem Beispiel vom vorindustriellen Handwerksmeister noch in einem – seinem – Kopf konzentrierte. Und hier liegt der wesentliche Unterschied zwischen dem Projektmanagement von damals und dem gegenwärtigen wie zukünftigen Projektmanagement…
Autor(en): Jürgen Graf
Quelle: managerSeminare 26, Januar 1997, Seite 74-79
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