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Organisationsaufstellung

Erkenntnisse aus Lilliput

Bislang sprengten sie den Rahmen des Möglichen: Aufstellungen mit mehr als 15 Mitarbeitern. Denn je mehr Beteiligte, desto unübersichtlicher das Aufstellungsbild, umso wahrscheinlicher das Chaos. Peter-W. Gester und Prof. Dr. Ulrich Clement haben einen Ausweg gefunden: Mit dem Territorigramm entwickelten sie eine Aufstellungsmethode, an der über 100 Mitarbeiter aktiv und simultan mitwirken können. Gester zu dem neuen Werkzeug der Organisationsentwicklung.
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Wenn zehn bis hundert Personen in einem Raum zusammen kommen und ein zwergenhaftes Abbild ihrer selbst auf einer rechteckigen Unterlage positionieren, dann ist das keine surrealistische Szene aus Jonathan Swifts Roman 'Lilliput', sondern eine Organisationsaufstellung der besonderen Art: das so genannte Territorigramm. 'Lilliputs' spielen dabei gleichwohl eine Rolle, so nämlich haben die Erfinder der Methode, Peter-W. Gester und Prof. Dr. Ulrich Clement, die ca. 20 cm großen, auf kleinen Sockeln montierten Foto-Silhouetten genannt, die dabei zum Einsatz kommen. Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens erhält einen solchen Repräsentanten, den er dann in mehr oder weniger großem Abstand zu den 'Doppelgängern' der übrigen Mitarbeiter so aufstellt, wie es seinem Standort in der Firma entspricht. Auf diese Weise lässt sich visualisieren, wie die Personen innerhalb des Systems zueinander stehen, es lassen sich komplexe Wechselbeziehungen und damit einhergehende zirkuläre Prozesse auf einen Blick sichtbar und erfassbar machen.

Das Territorigramm – konzipiert wurde es im Jahr 1999 – kann wie alle Organisationsaufstellungen z.B. dazu genutzt werden, in einer Firma verborgene Konflikte, Störungen der Arbeitsatmosphäre oder Absatzprobleme aufzudecken. Aus dem Aufstellungs-Prozess können Impulse für die Teamentwicklung und Produktplanung erwachsen und Ideen zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens. Im Unterschied zu anderen Aufstellungsmethoden sind am Territorigramm-Prozess jedoch alle Systemmitglieder aktiv und simultan beteiligt. Alle haben die Möglichkeit, verzerrte Betrachtungen richtig zu stellen, über ihre Beobachtungen und das Ergebnis zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das Aufspüren und Ausschöpfen der Handlungsmöglichkeiten und Entwicklungsressourcen liegt somit in der Hand der beteiligten Systemmitglieder, während bei anderen Organisationsaufstellungen dieser Part dem Trainer oder Therapeuten zukommt.

Ein besonders gravierender Unterschied zu anderen Aufstellungsmethoden besteht auch in der Anzahl der Personen, die am Territorigramm-Prozess beteiligt sind. Mit realen (menschlichen) Repräsentanten oder gesichtslosen Holzkegeln, Spielzeugmännchen, Puppen oder Kärtchen, lässt sich nämlich höchstens das Beziehungsgeflecht von 15 Firmenmitgliedern erfassen. Das Territorigramm dagegen vermag das der gesamten Firma abzubilden.

Fester Bestandteil jedes Territorigramms sind mindestens zwei Aufstellungen. In der ersten wird das gesamte Unternehmen in seinem augenblicklichen Zustand abgebildet, also z.B. die abteilungsübergreifenden Beziehungen zwischen allen Mitarbeitern oder die Beziehungen der einzelnen Subsysteme (beispielsweise Abteilungen) zueinander. In der zweiten, der so genannten Visionsaufstellung, sollen die Systemmitglieder dagegen Fragen beantworten wie: 'An welcher Position möchte ich in fünf Jahren stehen?' und 'Wie soll sich die Firma in Zukunft konstitutieren?'. Hier entsteht ein visionäres Zukunftsbild der Organisation. Gegenwart und Zukunft fließen in die Diskussionen der Teilnehmer ein – und die münden idealerweise in Verbesserungsvorschlägen und neuen, kreativen Ideen.

Extras:
  • Info-Kasten: Die methodischen und theoretischen Wurzeln des Territorigramms.
  • Info-Kasten: Was kann das Territorigramm für große Konzerne, kleine Betriebe und Non-Profit-Organisationen leisten?
  • Übersicht: Nutzerinfos zur Planung und Durchführung eines Territorigramms.
Autor(en): Peter-W. Gester, Svenja Gloger
Quelle: managerSeminare 50, September 2001, Seite 64-73
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