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Löhne müssen gerecht sein

Moralisches Missverständnis

Ulf D. Posé ist Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V. Für managerSeminare wirft er in seiner Kolumne 'Der ethische Kompass' regelmäßig einen kritischen Blick auf unser tägliches Handeln in Wirtschaft und Beruf, hinterfragt die Normen, die uns dabei leiten, und stellt allgemein akzeptierte Wertvorstellungen auf den Prüfstand.

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Löhne waren nie gerecht und werden es wahrscheinlich auch niemals sein. Wenn es um die Höhe von Bezahlung geht, ist Gerechtigkeit ein völlig ungeeigneter Begriff. Gerechtigkeit ist nach dem römischen Juristen Ulpian der feste Wille, einem jeden Menschen sein Recht zukommen zu lassen – ein Ziel, das für die Wirtschaft vermutlich ruinös wäre. In Sachen Entlohnung kommt Gerechtigkeit daher nur in zwei Sonderformen vor: als Vertragsgerechtigkeit und als Verteilungsgerechtigkeit.

Ein Lohn ist vertragsgerecht, wenn Leistung und Gegenleistung gleichwertig sind: Je gewinnbringender die Arbeit, desto höher müssen auch Lohn und Prämienzahlungen ausfallen. Damit sind wir bei der Verteilungsgerechtigkeit, die oft irrtümlich mit Gleichheit verwechselt wird. Doch Löhne und Prämien gleich zu verteilen, wäre höchst ungerecht. Die individuellen Beträge zum Mehrwert sind nicht gleich, also darf es auch die Entlohnung nicht sein. Es gibt nur eine Ausnahme von der Verteilungsgerechtigkeit: Wenn Löhne ökonomisch Schwacher zu niedrig sind, um Leben und Entfaltung zu ermöglichen, ist es gerecht, sie höher ausfallen zu lassen, als es ihr Beitrag zum Mehrwert eigentlich erlaubt.

Eine Leistungsgerechtigkeit, von der Manager, Politiker und Gewerkschafter gerne reden, gibt es in Lohnfragen nicht. Wäre die geleistete Arbeit ein Maßstab, müsste jeder Bauarbeiter besser bezahlt werden als der Vorstand der Baufirma. Damit stellt sich die Frage, wofür Spitzenverdiener überhaupt so viel Geld bekommen. Für Managergehälter sind drei Faktoren ausschlaggebend, die zwar im eigentlichen Sinne keine Wertschöpfungsbeiträge sind, die aber die Voraussetzung für Wertschöpfung schaffen.

Autor(en): Ulf D. Posé
Quelle: managerSeminare 170, Mai 2012, Seite 33 - 33 , 4077 Zeichen

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