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Modern Work Tour
Modern Work Tour

Die Welt verbessern in Ecuador

Wie wird neue Arbeit weltweit gestaltet und was können wir davon lernen? Anna und Nils Schnell sind – mit einer pandemiebedingten Unterbrechung – seit 2018 auf Modern Work Tour rund um den Globus, um dieser Frage nachzugehen. Derzeit reist das Unternehmerpaar durch den amerikanischen Kontinent und berichtet für managerSeminare regelmäßig über die dort entdeckten innovativen Führungs- und Arbeitsansätze. Sein siebter Reisebericht kommt aus Ecuador.

Nach einer unglaublich langen 44-Stunden-Busfahrt kommen wir in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito an. Statt der angekündigten 22 Stunden ist es die längste Fahrt unseres Lebens und der Modern Work Tour. Durch die Verspätung starten wir gleich fünf Minuten nach der Ankunft in unserem neuen Airbnb mit einem Remote Leadership Coaching bei einem Mittelständler in Deutschland, nichts ahnend, dass sich der hartnäckige Juckreiz von Nils als Krätze herausstellen wird ...

Immerhin machen uns die Strapazen deutlich: Reisen bildet nicht nur, es lässt uns auch über uns selbst hinauswachsen. Man kann vieles auf sich nehmen, wenn man dem eigenen Sinn bzw. Purpose nachgeht. In bestimmten Situationen kann es sich lohnen, die eigenen Grenzen neu zu definieren und dabei herauszufinden, wie viel Kraft wirklich in uns steckt. New Work bedeutet nicht umsonst auch, sich bewusst für eine Arbeitsweise zu entscheiden, hinter der man steht und deren Warum man kennt. Schon Frithjof Bergmann wusste, dass eine sinnstiftende Tätigkeit ungeahnte Kraft hervorbringen kann, und war überzeugt, dass wir einer Arbeit nachgehen sollten, die uns stärkt. Doch der Begriff New Work wird heute viel zu selten im Sinne von Bergmanns Intention gesehen, sondern auf Homeoffice oder Remote Work reduziert. In Quito allerdings erleben wir viele Organisationen und Menschen, die tatsächlich viel von Bergmanns Vision sinnhaften Arbeitens umsetzen.

Quito liegt in den Anden auf einer Höhe von über 2.800 Metern. Die Stadt ist von einer atemberaubenden Landschaft mit schneebedeckten Bergen und Vulkanen umgeben. In der Altstadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, findet sich die dichteste Ansammlung historischer Gebäude und Kirchen in Südamerika. Quito ist auch für seine vielfältige Kunst- und Kulturszene sowie die traditionellen Märkte bekannt. Gleichzeitig befindet sich die Stadt im Aufbruch und es sind inspirierende Unternehmen mit innovativen Konzepten entstanden. Quito hat sich in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Businessstandort im Norden Südamerikas entwickelt, der Investoren, Investorinnen, Unternehmer und Unternehmerinnen anlockt. Gezahlt wird hier in US-Dollar.

Anna und Nils Schnell mit José Ignacio (Mitte) von Sistema B. MOWOMIND

Füreinander einstehen in der Pandemie

Wir treffen den deutschstämmigen Christoph, der mitten im Corona-Lockdown das Unternehmen TeamQ Developers gegründet hat. Aufgrund des Pandemie-Ausbruchs sollten nahezu alle Mitarbeitenden in dem ausländischen Unternehmen, für das er zuvor exklusiv mit seinem Softwareteam tätig war, gekündigt werden. Christoph Rössner empfand das in einer solchen Krise als unverantwortlich und wollte es nicht mittragen.

Gemeinsam mit dem bestehenden Team hat er daher die neue Firma TeamQ aufgezogen, um weiterhin Softwarelösungen für Unternehmen aus der ganzen Welt zu bauen – aber vor allem, um dem Team Sicherheit und Stabilität zu gewähren. Das Unternehmen setzt auf individuelles und kollektives Wachstum, mit dem Ziel, bessere Ergebnisse für die Kunden und Kundinnen zu erzielen. Die Mitarbeitenden sind aktiv am Gewinn beteiligt und arbeiten daran, soziale Netze für sich aufzubauen; sie orientieren sich an der Philosophie gegenseitiger Unterstützung.

Warum nicht die Welt retten?!

In Quito sprechen wir außerdem mit Martin Schäfer, dem Geschäftsführer von Jocotoco, einem Kooperationspartner des gemeinnützigen deutschen Unternehmens ThankU. ThankU ist eine 2020 von Startup-Anwalt Lukasz Belza, IT-Berater Martin Belza und Unternehmensberater Carsten Meyer gegründete Spendenplattform. Die Idee dahinter: Wer zum Beispiel anderen einen Dienst erwiesen hat, aber selbst kein finanzielles Dankeschön dafür möchte, kann die Person, die ihre Dankbarkeit zeigen möchte, auf die Plattform verweisen. Dort kann sie dann eine Spende an Umweltschutzorganisationen leisten. Die Non-Profit-Plattform hat sich dabei dem Grundsatz höchster Transparenz verschrieben; jeden Monat werden entsprechende Berichte veröffentlicht.

Die Modern Work Tour ...

... ist eine moderne Walz, auf der das Unternehmerpaar Anna und Nils Schnell (Beratungsfirma MOWOMIND) innovative Unternehmen weltweit besucht. Das „Abenteuer Arbeit“ führte sie bisher durch mehr als 44 Länder und sie führten Gespräche mit mehr als 180 Vordenkern und Vordenkerinnen, aus denen sie neun Modern-Work-Prinzipien abgeleitet haben. Zu den bisherigen Reisen ist bei managerSeminare der Artikel „Agile Weltreise – New Work global“ (managerseminare.de/MS265AR03) erschienen und im Gabal Verlag das Buch „Die Modern Work Tour – Eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit“. Über ihre aktuellen Erlebnisse informieren Anna und Nils Schnell regelmäßig auf ihrem Youtube-Kanal „The Schnells“. Dort zeigen sie Ausschnitte aus Gesprächen und fassen ihre Erkenntnisse der Modern Work Tour in Videos zusammen. 

Als Kooperationspartner von ThankU in Ecuador setzt sich Jocotoco für bedrohten Naturlebensraum ein und trägt damit auch aktiv zum Klimaschutz bei. Vom Geschäftsführer Martin Schäfer lernen wir, dass es viel nachhaltiger ist, bereits vorhandene Natur zu schützen, als neue Bäume zu pflanzen. Ein New-Work-Gedanke spielt für ihn in seiner Arbeit eine wichtige Rolle: „Es geht darum, eine Arbeit zu finden, in der man überproportional viel Impact entstehen lassen kann.“ Ein Gedanke, der auch von Frithjof Bergmann stammen könnte und hervorragend zum Modern-Work-Prinzip „Sinn ermöglichen“ passt: Je mehr Menschen in ihrer Organisation von sinnstiftendem Handeln profitieren können, desto mehr Veränderung und Mehrwert entsteht für alle. Das Beispiel Jocotoco demonstriert dies eindrucksvoll.

Gemeinwohl-Ökonomie als Merkmal von New Work

In Quito treffen wir außerdem José Ignacio, der sich bei Sistema B für die Förderung von Unternehmen einsetzt. Sistema B ist eine lateinamerikanische Bewegung, die sich neben dem wirtschaftlichen Erfolg auch der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit von Unternehmen verschrieben hat. Es handelt sich um eine zertifizierte Gemeinwohl-Ökonomie, die darauf abzielt, den Kapitalismus und die Geschäftswelt positiv zu beeinflussen, indem sie die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt in den Vordergrund stellt.

Auch die Organisation Pacari Schokoladen gehört zu Sistema B. Das B-Corp-Unternehmen ist in Ecuador ein Vorzeigebeispiel für ein gewinnbringendes Unternehmen, das gleichzeitig nachhaltig Gutes für Umwelt und Gesellschaft leistet. Pacari verwendet ausschließlich Bio-Kakaobohnen und unterstützt damit den ökologischen Anbau und den Schutz der Umwelt in Latam. Darüber hinaus bezieht das Unternehmen seinen Kakao von Kleinbauern aus Ecuador, die faire Preise für ihre Produkte erhalten und unter gerechten Arbeitsbedingungen arbeiten, was kein gesetzlicher Standard in Ecuador ist. Außerdem engagiert sich die Firma für soziale Projekte und Gemeinschaftsentwicklung und trägt so dazu bei, den Kakaoanbauern in Ecuador eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Auch wenn wir uns in Ecuador von der strapaziösen Fahrt und den Nachwehen der Krätze erholen konnten, sollte die folgende Busfahrt nach Kolumbien die bisher größten Herausforderungen auf unserer Modern Work Tour mit sich bringen. Mehr dazu im nächsten Heft.

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