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Management

Chronisch müde

'Der Ausnahmezustand ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel', sagt Management-Beraterin Betty Zucker und meint damit das permanente Change-Management, in dem sich viele Unternehmen befinden. Mit einem Augenzwinkern schildert sie den Unternehmens-Alltag, beschreibt die Motivationslage vieler Manager und erklärt, wann es sich lohnt 'Nein' zu sagen.
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Als Change-Beraterin finde ich mich immer öfter in der Rolle der Bremserin. Ich suche nach Eckpfeilern für Stabilität, damit das System nicht kippt. Am Anfang war das Wort und frühe Symptome der Labilität zeigen sich in der “No Content Kommunikation” und zwischen den Zeilen lesen wird zur neuen Kommunikationskompetenz. 'Das Management muss sich neuen Herausforderungen stellen', oder: 'Wir sehen die Chancen, müssen aber die Risiken im Auge behalten'. Generell sind 'man', 'ja aber' kombiniert mit 'eigentlich' oder 'vielleicht' sehr beliebt. Die Zeit zum reflektieren wird sich nicht genommen, 'man' legt sich nicht fest und relativiert fast alles und alle verkünden etwas anderes, wo es in Zukunft strategisch langgeht.

Die Folgen der Labilität zeigen sich handfest. Sinnfreie Betriebsamkeit sorgt monatelang für freizeitfreie Wochenenden und produziert erholungsreife, oft resignierte Mitarbeiter. Die Kunden einer Firma, deren Banner lauthals 'High Speed' verkünden, wechseln per Mausklick zur Konkurrenz, da es drei Monate braucht, bis sie Antwort auf eine Anfrage bekommen. Und die Investo-ren fragen sich, ob ihr Anlageobjekt nun ein Handelsunternehmen, eine Bank, ein Hedge Fond oder nur noch ein Abschreibungsobjekt ist. Betriebliches Quecksilber.

Darin spiegelt sich ein fundamentaler Orientierungsverlust. Was bleibt, ist ein Erfolgsdruck, der die Ziele hoch steckt, aber keine Leitplanken setzt. Die Mitarbeiter, die Kunden, die Aktionäre, die Medien, die öffentliche Meinung, alle verlangen mehr: mehr Salär, mehr Output, mehr Wachstum - mehr Vernetzung, mehr globale Verantwortlichkeit.
Autor(en): Betty Zucker
Quelle: management&training 10/03, Oktober 2003, Seite 34-37
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