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Ohne Worte

Kommunikationsmittel Schweigen

Wer was zu sagen hat, sagt viel. Dieses Motto gilt überall in der Wirtschaftswelt. Führungskräfte üben Kommunizieren und Referieren, lernen geschickt zu argumentieren. Eines können sie aber häufig nicht: schweigen. Durch Nichtssagen lassen sich Standpunkte oft aber besser auf den Punkt bringen, Argumente gut verstärken und kritische Gesprächssituationen entschärfen.


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Helmut Schmidt ist Meister darin: Er sagt’s durch Nichtssagen. Zwei Wörter – Schweigen. Drei Wörter – wieder Schweigesekunden. Wie es ihm gehe, wird er gefragt. Der Exkanzler senkt seinen Blick, schweigt. Er sitzt einfach da, hält die verbale Leere aus. Das ist Antwort genug. Er sagt: 'Es geht mir nicht gut', nur ohne Text. Dann fragt TV-Journalistin Sandra Maischberger den Staatsmann weiter; später im Gespräch nach seiner Meinung über Karl Theodor zu Guttenberg. Wieder antwortet der große alte Mann ohne Worte: Er blickt nach oben ins Nichts, zieht an der Zigarette, atmet hörbar und lange aus. Dann ein Huster. Die Journalistin hat verstanden: Mehr muss nicht gesagt werden, um Guttenberg zu taxieren. Ein Grinsen huscht über ihr Gesicht.

Der Auftritt Helmut Schmidts bei Maischberger vor gut einem Jahr ist ein Lehrstück, sein Thema: 'So sage ich es mit Schweigen.' Der damals 91-Jährige zeigt sich als Virtuose der Rede ohne Worte, gefühlt ein Fünftel seines Auftritts bestreitet er ohne Text. Aber Kommunikation findet dennoch statt: Gemütszustände, Gewichtungen, auch Geringschätzung bringt er durch Nichtreden herüber. Schweigen, das zeigt der Altkanzler, ist ein universelles Mittel des Mitteilens.

Das steht in der Fachwelt außer Frage. In der Linguistik gibt es schon lange einen Forschungszweig, der sich mit dem Nichtreden befasst. Eine seiner Vertreterinnen ist Mireille Schnyder, Professorin an der Universität Zürich. Die zentrale Botschaft ihres – zumindest unter Sprachwissenschaftlern – bekannten Buches 'Topographie des Schweigens' lautet: 'Jeder Text braucht Pausen, damit er verstanden wird'. Denn der Moment des Nicht-Sagens gliedert, navigiert, betont, hebt hervor. Experten aus der Praxis bestätigen die Erkenntnisse der Sprachwissenschaftler: 'Auch die stumme Rede ist eine Mitteilung', sagt Manfred Piwinger. Der Kommunikationsberater hat in seinen Untersuchungen herausgefunden: Die bewusst gesetzte verbale Sendepause hat immer einen Inhalt. Ein Schweigen sagt oft mehr als tausend Worte.

Extras:

  • Wann und warum Schweigen sinnvoll ist: Fünf Tipps
  • Nachgefragt: Rhetorikexperte Rolf H. Ruhleder im Interview
  • Literaturtipp: Kurzrezension eines Buches über das Schweigen

Autor(en): Axel Gloger
Quelle: managerSeminare 170, Mai 2012, Seite 34 - 37 , 14466 Zeichen
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