Judith Muster in Characters
Judith Muster in Characters

'Man entscheidet sich nicht für Lösungen, sondern für Folgeprobleme.'

Die Organisationssoziologin Dr. Judith Muster ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Organisations- und Verwaltungssoziologie der Universität Potsdam sowie seit 2011 Beraterin und seit 2017 Partnerin bei der Unternehmensberatung Metaplan. Im Interview erklärt sie, welche berufliche Herausforderung sie reizen würde, was sie niemals verpasst und was sie auch mal werden wollte.

Meine beruflichen Stationen:Angefangen hat es mit einem Soziologiestudium mit starkem Fokus auf Organisationen und Systemtheorie. Daran schloss sich die Arbeit als Beraterin in einer Firma an, die ich mit meinem Vater gegründet habe. Auf Metaplan kam ich, als ich auf der Suche nach einer Unternehmensberatung war, in der auch mit soziologischem Ansatz gearbeitet wird. Aber ich habe den Kontakt zur Universität nie verloren. Tatsächlich identifiziere ich mich zuerst als Soziologin und erst im zweiten Schritt als Beraterin.
Das wollte ich auch mal werden:Buchbinderin.
Diese berufliche Herausforderung würde mich reizen:Eine teilnehmende Beobachtung in einem beruflichen Feld, dessen Logiken man von außen nicht gänzlich durchdringt. Die Varianten der Selbstverwirklichung in anonymen Großbetrieben oder die mikropolitische Virtuosität in Verwaltungen sind im Detail nur denen bekannt, die tatsächlich in diesen Sphären gearbeitet haben.
Wen ich gern beraten oder trainieren würde:Vor allem die Arbeit für Verwaltungs- und Regierungsorganisationen finde ich spannend, weil hier, bei engen formalen Richtlinien, gesellschaftlich weitreichende Entscheidungen vorbereitet werden müssen.
Mein Arbeitsplatz ist:Im besten Fall: eine Metaplanwand mit diskussionsfreudigem Publikum dazu.
Ich verpasse niemals:Eine neue Podcastfolge von „Die Lage der Nation“.
Als Nächstes lerne ich:Twittern. Das müsste mein Medium sein. Aber wir haben noch nicht zueinander gefunden.
So muss eine Führungskraft sein, damit ich ihr folgen würde:Hierarchie hat den Vorteil, dass sie Unsicherheiten absorbieren kann. Eine gute Führungskraft wälzt Entscheidungen also nicht unter der Überschrift, dass in einem Team alle Verantwortungen übernehmen, an ihre Mitarbeitenden ab. Sie schafft Erwartungssicherheit, indem sie selbst die Richtung verantwortet, auch wenn andere diese vorgeschlagen haben.
Mein Arbeitsmotto:Man entscheidet sich nicht für Lösungen, sondern für Folgeprobleme.
Diese Diskussion über die Arbeitswelt regt mich auf:Zu oft noch werden in HR-Diskursen vor allem Menschen als Problemursache ausgemacht. Dabei wäre es die Aufgabe von HR, darauf aufmerksam zu machen, dass die Verhältnisse das Verhalten bestimmen, nicht umgekehrt.
Kontakt zu Judith Muster: www.metaplan.com/de/person/dr-judith-muster
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