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Interkulturelles Management

Gegenseitiger Respekt

Lateinamerika. Wer darüber nachdenkt, fällt schnell in ein Raster: abgeholzte Regenwälder, Großstädte voller Korruption, Drogenhandel und Prostitution oder endlose Sandstrände, wilde Samba-Nächte, Fußball und Tequila. Doch mit ein wenig Verständnis für die Paradigmen der lateinamerikanischen Kultur lässt sich die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern lernen und persönliche Frustration oder teure Reibungsverluste vermeiden.
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In Lateinamerika spielt die Familie eine zentrale Rolle. Im anthropologischen Fachjargon heißt es, dass die lateinamerikanische Kultur kollektivistischer sei als die europäische oder die angloamerikanische. Dort wird nämlich von den Menschen erwartet, dass sie selbst für sich sorgen, die Verantwortung für Dritte geht selten über den Rahmen der Kernfamilie hinaus. Anders in Lateinamerika. Die Menschen schätzen soziale Netzwerke und Beziehungen, es wird erwartet, dass sich Mitglieder der Gruppe untereinander helfen. Die Freundschaft hat einen hohen Stellenwert, nicht nur im privaten Bereich, sondern auch bei der Anknüpfung und Pflege von geschäftlichen Kontakten. Sie ist eine Ehre und sie verpflichtet. Man braucht dazu Zeit und Geduld und manchmal eine gute Leber, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Die Trägheit der Institutionen kommt einem diesbezüglich zugute. Es ist schwierig abzuschätzen, wie viel Zeit eingerechnet werden muss, um von offiziellen Stellen notwendige Erlaubnisse oder Informationen zu erhalten. Aber eines ist sicher: Beziehungen helfen, den oft recht langwierigen Entscheidungsprozess seitens öffentlicher Hand zu beschleunigen.

Die Kommunikation prägt den Alltag eines Lateinamerikaners: Intensive zwischenmenschliche Beziehungen werden gefordert und Gefühle sind leichter verletzbar. Aus Höflichkeit wollen Lateinamerikaner niemanden enttäuschen und sagen deshalb nicht selten auch dann 'Ja', wenn sie eigentlich 'Nein' meinen. Zweifelhafte Situationen und Ungewissheiten werden oft als Bedrohung empfunden. Deshalb wird häufig versucht, Schwierigkeiten elegant wie ein Torero aus dem Wege zu gehen. Dies geschieht manchmal durch Zusagen und Versprechungen, die nur beruhigen sollen.
Autor(en): Klaus Schaeffler, Christine Vallaster
Quelle: management&training 09/03, September 2003, Seite 40-41
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