Management

Gesellschaftskritik

Große Worte – schlappe Taten

Der Herrgott hätte wohl bitterlich geweint über jene Moses, die zum Kampf aufrufen, aber selber nicht mitkämpfen. Und wahre Krokodilstränen wären ihm über seine sorgenfaltigen Wangen gekullert beim Anblick eines Volkes, das risikoscheu und selbstgefällig noch rosarot malt. Während es bereits ziemlich gräulich aussieht über dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Aber mit Blinden läßt sich schlecht über Farben reden. Oder haben sich bisher nur die Falschen artikuliert? Sind die Seher eher im Lager der Trainer und Berater zu suchen?
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Armes Deutschland - denn das Volk sind wir. Mitten in der Wüste. Und Kanaan ist weit. Und Sturm tobt - gemeinhin auch fundamentaler und unerbittlicher Strukturwandel in der Wirtschaft genannt . Dabei stünde uns nach den Worten von Siemens-Chef von Pierer der „richtige Wirbelsturm“ erst noch bevor. Vermutlich. Man muß nicht Kassandra sein, um zu ahnen, daß es nicht beim bisherigen Exodus ganzer Branchen bleibt - und nichts Gescheites nachkommt. Und vermutlich bleibt es auch nicht bei den vier Millionen Arbeitslosen.

Bei der Frage, wie die wieder beschäftigt werden könnten, oder zumindet die Hälfte von ihnen, wurden viele Hinterteile breitgesessen. Respektierlich sei natürlich der Bundeskanzler zuerst genannt, aber keine Polit- und Verbandsgröße, kein führender Gewerkschafter, der nicht auch seinen Senf in Form eines Papiers dazu abgegeben hat. Allerdings kurierten nach Meinung von Hans-Olaf Henkel, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Sozialpolitiker und Gewerkschafter am liebsten an den Symptomen und „lenken auf andere Weise von den notwendigen Roßkuren ab“. Die Feigenblatt-Politik. Kennen wir die nicht im Trainings- und Weiterbildungsbereich auch? Und ihr Ergebnis ebenfalls - das Milliardengrab?

Dabei ist allen Beteiligten sonnenklar: Wenn wir die eigentlichen strukturellen Probleme - und zugleich mentalen - nicht identifizieren, dann werden die übrigen Anstrengungen kaum langfristige Erleichterung bringen. Dem Zwickel-Vorschlag mit dem sehr breit interpretierbaren Titel „Bündnis für Arbeit“ wird zumindest zugute gehalten: Wir geben zu, daß es eine neue Wirklichkeit gibt. Und wir sind bereit, darüber zu reden…
Autor(en): Henry J. Heibutzki
Quelle: managerSeminare 23, April 1996, Seite 24-29
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