Management

Führung im Team

Führung von Hand zu Hand

Teamarbeit ist für viele gleichbedeutend mit dem Abschied von hierarchischen Organisationsformen. Führung gilt als ein veraltetes Prinzip, an dessen Stelle tritt fortan die Selbstorganisation. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße: Ein Team ohne Führung ist mehr mit sich selbst beschäftigt als mit seiner eigentlichen Aufgabe. Ein Team braucht Führung - ebenso wichtig ist jedoch auch ein spezielles Führungsverständnis.
Kostenfrei für Abonnent/innen von managerSeminare
Downloaden
'Wir definieren uns hierarchiefrei!' verkünden viele Teams stolz. 'Wir brauchen keine Führung. Jeder tut einfach alles und das klappt schon. Sonst wären wir ja auch kein richtiges Team.' Schön, wenn es so geht. Die Regel ist das allerdings noch lange nicht. Ein Team, das ohne Führung auskommt, ist ein sehr reifes Team und arbeitet unabhängig von anderen Organisationseinheiten.

Hierarchiefreie Teams sind eine Kultur, die sich in den siebziger Jahren entwickelt hat. Sie ist entstanden aus der Frustration von Angestellten in großen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, weil hier die Arbeit in Ab-teilungen als reglementiert und ineffektiv empfunden wurde. Autoritäre Struk-turen und destruktiver Gebrauch von Macht in der Führung provozierten eine Sehnsucht nach Selbstbestimmtheit und freien Entscheidungen. Diese Entwicklung vollzog sich in dieser Zeit aber nicht nur im öffentlichen Leben. Parallel dazu gab es auch enorme Änderungen im familiären Bereich. Der Patriarch wurde entthront und ersetzt durch das Prinzip der Gleichberechtigung und freien Meinungsäußerung.

Alle waren sich einig: So kann es nicht weitergehen. Hierarchien bestimmen das Leben in willkürlicher und machtvoller Weise und ersticken jeden Ansatz-punkt von Kreativität, Selbstfindung und Freiheit. Was man nicht mehr wollte, wußten alle sehr genau: Bevormundung, Pünktlichkeit, Unterordnung, Ja-sagen und Frustration. Unklarer fiel die Antwort allerdings auf die Frage aus, wie es denn nun weitergehen sollte. So wurschtelten neue Teams erst einmal vor sich hin, gründeten neue Vereine und schufen andere Arbeitsbedingungen. Der Preis: Von jedem Teammitglied wurde eine sehr hohe Identifikation mit der Sache und eine enorme Motivation gefordert. Da nicht so eindeutig klar war, wohin die Reise gehen sollte und so chaotische Strukturen entstanden, ließ bei einzelnen Teammitgliedern diese Identifikation und Motivation schnell nach. Vor allem dann, wenn sich herausstellte, daß doch ein Mitglied des Teams ungefragt eine Art Führungsfunktion übernommen hatte…
Autor(en): Dr. Susanne Motamedi
Quelle: managerSeminare 22, Januar 1996, Seite 70-73
Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Akzeptieren Nicht akzeptieren
nach oben Nach oben