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Beitrag von Sylvia Lipkowski aus managerSeminare 335, Februar 2026
Vom Why zum „Was bringt's?“: Warum Purpose gut, aber Impact besser ist
Auf der Wirkungstreppe: Wie Unternehmen ihren Purpose konkret machen können
Selbst wirksam werden: Warum ein Wofür wichtig ist und sogar Selbstfürsorge bedeutet
Zusammen zuversichtlich: Wie kollektiv Impact entsteht
Realistisch idealistisch: Was Impact mit moralischer Ambition zu tun hat
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 335
Anne Brorhilker hatte einen Job mit Purpose. Als Oberstaatsanwältin deckte die ehemalige Cum-Ex-Aufklärerin mit ihrem Team auf, dass dem Gemeinwesen durch systematischen Steuerbetrug Milliardensummen entzogen wurden. Geld, das der Gesellschaft anderswo fehlt. Brorhilker hat den Job nach eigener Aussage „mit Leib und Seele“ gemacht – und ihn dennoch im Frühjahr 2024 frustriert an den Nagel gehängt. Der Grund: Sie konnte nicht so wirksam sein, wie sie es sich wünschte. „Die Rahmenbedingungen stimmen einfach nicht“, erklärt Brorhilker in einem Vortrag in Köln. Den wenigen Beamtinnen und Beamten, die Finanzkriminalität verfolgen, stehen Heerscharen von juristischen Profis gegenüber, die für jene arbeiten, die sich am Staat bereichern wollen. Statt weiter unter diesen Bedingungen Einzelfälle zu verfolgen, will Brorhilker nun die Strukturen verändern: Seit 2024 baut sie als Geschäftsführerin des spendenfinanzierten Vereins Finanzwende ein systematisches Gegengewicht zur Finanzlobby mit auf. Im Oktober ist zudem ihr Bestseller „Cum/Ex, Milliarden und Moral“ erschienen, mit dem sie der Öffentlichkeit erklärt, warum ein gerechtes Finanzsystem so wichtig ist.
Einen so mächtigen Hebel hat Nele Hirsch zwar noch nicht gefunden, einen persönlichen Purpose hat aber auch sie schon lange. Mit ihrem eBildungslabor arbeitet die Bildungswissenschaftlerin daran, Lernen im digitalen Wandel besser zu machen: „Gute Bildung ermächtigt Lernende zur Gestaltung eines guten Lebens für sich und für andere, jetzt und in Zukunft“, so ihr Credo. Aber auch Hirsch war frustriert angesichts der Lage: Lernende, denen es heute oft an grundlegenden Fertigkeiten fehlt. Eine aufgrund rasanter digitaler Neuerungen für viele Menschen überfordernde Arbeits- und Lebenswelt. Und ein Bildungssystem, das dem Dilemma nichts entgegenzusetzen hat. Ähnlich wie Brorhilker kämpft auch Hirsch mit Strukturen, durch die sie sich in ihren Wirkmöglichkeiten – und dem eigenen pädagogischen Anspruch – beschnitten sieht. Im Sommer 2025 teilte die gut vernetzte Bildungsidealistin ihre Sorgen öffentlich und stellte die Leitfrage: „Wie können wir als pädagogisch Aktive wirkungsmächtiger werden in unserem Tun?“ Sie stieß auf große Resonanz: Gut 200 Interessierte aus Schule, Beratung, Universität, Berufsbildung und auch aus Behörden und Initiativen fühlten sich angesprochen und meldeten sich bei ihr.
Nur zwei Beispiele, die zeigen: Offenbar reicht es vielen Menschen derzeit nicht mehr, einen Purpose zu haben. Sie wollen nicht nur die Gewissheit, dass es sinnvoll ist, Finanzkriminalität zu verfolgen oder Weiterbildung leichter zugänglich zu machen. Sie wollen auch sehen, dass ihre Bemühungen etwas bewirken und zu greifbaren Veränderungen führen. Kurzum: Sie wollen das, was man bei der gemeinnützigen Denkfabrik Phineo gAG als Impact bezeichnet – mit ihren Initiativen zu langfristigen strukturellen Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene beitragen.