Musterbruch

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Die unmögliche Wahrhaftigkeit

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Seit Jahren wird leidenschaftlich für mehr Authentizität geworben. Kaum ein Begriff wird häufiger mit moderner Führung assoziiert. Doch lohnt das Bemühen um Authentizität überhaupt? Stefan Kaduk und Dirk Osmetz haben Zweifel. Ihr Argument: Niemand kann feststellen, wer oder was authentisch ist. Ein möglicher Ausweg: weg von der Hoffnung auf individuelle Echtheit, hin zur Schaffung von Resonanzmomenten.

Preview

Echt authentisch: Geht das überhaupt?

Echtzeiterwartungen: Eine Frage der Zuschreibung

Von Vorwänden und Zwecken: Wahr oder sinnvoll?

Selektiv authentisch: Wider die ungezügelte Echtheit

Resonanzmomente schaffen: Gemeinsam „Echtes“ erleben

Experimentelle Settings: Resonanz orchestrieren


Cover managerSeminare 283 vom 17.09.2021Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 283

Wenn ein Begriff inflationär die Runde macht, ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht. Dies gilt umso mehr, wenn dabei Verhaltenserwartungen im Raum stehen, gegen die auf den ersten Blick nichts einzuwenden ist. So verhält es sich seit einigen Jahren mit der Forderung, Führungskräfte mögen doch bitte authentisch sein. Meist stehen dabei ein Klagen über fehlende oder abhandengekommene Authentizität und folglich der Wunsch nach mehr „Echtheit“ im Vordergrund. Der Begriff selbst wird dabei kaum einer Reflexion unterzogen. Er ist fast ausschließlich positiv belegt. Vermutlich gehört in den sozialen Medien die Aufforderung „Be yourself“ zu den Claims, die am häufigsten die Profilfotos zieren. Jedes Kettenrestaurant bietet inzwischen „Authentic Food“ an, und die Tourismusbranche verspricht mehr denn je „authentische Erlebnisse“. In der Managementwelt ist die Botschaft ebenfalls angekommen, denn Mitarbeitende wundern sich nicht mehr, wenn sie im Unternehmensblog eine Bilderstrecke sehen, die den CEO in Badehose an einem einsam gelegenen Bergsee zeigt. Das Signal ist klar: Es soll der wahrhaftige Mensch zum Vorschein kommen, der sich völlig natürlich von seiner privaten Seite jenseits der professionellen Rollenerwartungen zeigt.

Ungeachtet der individuellen Einschätzung, ob der Authentizitätstrend als ärgerliche Zeitgeisterscheinung, überfällige Wiederkehr des Persönlichen oder schlicht als normale Überreaktion im Karriereverlauf eines Themas angesehen wird, lohnt sich ein differenzierender Blick.

Wie authentisch bin ich? Und wenn ja, wie viele?

In einer knappen und weithin akzeptierten Formel wird Authentizität als Übereinstimmung von „Denken, Fühlen und Handeln“ verstanden. Demzufolge wäre Authentizität eine Eigenschaft, über die eine Führungskraft verfügt – oder eben nicht. Diese Vorstellung bringt aber eine Reihe von Problemen mit sich. Zum einen geht sie unterschwellig davon aus, dass Menschen eine einzige konsistente Identität besitzen. In der Spätmoderne steht uns jedoch eine Fülle möglicher Identitäten und Lebensentwürfe zur Verfügung. Der Sozialpsychologe Heiner Keupp hat dafür die Metapher „Patchwork-Identität“ ins Spiel gebracht.

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